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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 11)

stark nach oben gekrümmt. Die Gliederung des Knaufaufsatzes ist scharf 
ausgeprägt. Diese Merkmale treten uns auch bei dem Schwerte des heiligen 
Stephan entgegen, jedoch sind sie nicht so stark betont, was wohl einerseits 
auf die Verschiedenheit des Materials, dessen Beschaffenheit die Form ver- 
schieden beeinflußt haben mag, zurückzuführen ist, andererseits aus dem 
Umstande, daß der Beingriff des St. Stephan-Schwertes stark abgegriffen 
ist, erklärt werden kann. Das spröde Elfenbein hat die Formen, die im Eisen 
ihren Ursprung genommen haben und der Technik der Eisenbearbeitung 
entsprachen, nur mit einem gewissen Widerstand angenommen. Daß diese 
prägnante Eisenform viel von ihrer Schärfe in einem anderen Material 
einbüßen mußte, beweist das späte Wikingerschwert (XII. Jahrhundert) 
des Bromberger Museums, dessen aus Hirschhorn geschnitzter Knauf und 
Parierstange ähnliche Verflachung der Formen aufweist? Eine weitere 
Frage, die sich bei der Betrachtung des Schwertes aufdrängt, geht dahin, 
ob auch das geschnitzte Ornament des Griffes die nordische Provenienz 
des Schwertes wahrscheinlich erscheinen läßt. Die Oberfläche des Knaufes 
ist so abgegriffen, daß seine ornamentale Ausschmückung fast gänzlich 
verlorengegangen ist. Man kann nur geringe Spuren des einst tiefen 
Einschnittes am unteren Rande des Knaufaufsatzes beobachten, die jedoch 
kein Urteil über das Ornamentmotiv zulassen. Weit besser erhalten ist das 
Ornament der Abwehrstange, welches nur auf ihren beiden schmalen 
Seiten zur Unkenntlichkeit verwischt wurde. Auch sonst hat das Rache Relief 
der Parierstange seinen plastischen Wert vollkommen eingebüßt, nichts- 
destoweniger sind da durch die tiefen Einschnitte die Komposition des 
Ornaments, seine Gliederung und Gruppierung sowie einige Details erhalten 
geblieben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Grundelement des Ornaments 
auf beiden Seiten der Abwehrstange zwei Drachengestalten bilden, deren 
Köpfe ganz unkenntlich sind. Sie sind symmetrisch um die Schwertachse 
gruppiert und ihr Bandgeschlinge verliert sich in einem unkenntlichen Blatt- 
werk; nur hie und da sind Halbpalmettenmotive wahrzunehmen. Der Stil des 
Ornaments weist die Merkmale der jüngeren nordischen Ornamentik auf, in 
der das frühmittelalterliche nordische Tierornament nachlebt." Sehr nahe 
verwandte Schnitzereien können wir in den Beinplatten des Kordula-Schreines 
im Dorn von Kammin sowie in den Beinplatten des nordischen Kastens des 
Münchener Nationalmuseums, der aus dem Besitze der heiligen Kunigunde 
stammen soll, feststellen."""" Die Art der Bandverschlingungen, die I-Ialbpal- 
mettenmotive sowie die die Bänderfiäche ausfüllende Punktierung und Quer- 
schraftierung stimmen auf diesen Monumenten vollkommen überein. Diese 
Übereinstimmung läßt die Provenienz, die wir auf Grund des Vergleiches 
des St. Stephan-Schwertes mit den Wikingerschwertern erschlossen haben, 
umso wahrscheinlicher erscheinen. 
)" Engel, ibirL, V, Seite 15. Abb. 15. 
'" Vzrgleicbe Sophun Müller, „Die Tieromamenük im Norden" (Hamburg xSBx), Seite x45 1T. 
i" "Illustrierte Geschichte de: Kunatgewerbes" (Berlin 1907 bis m08), Seite 2x6, Abb. x80.
	        

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