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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 11)

Die Frage, ob in den von Rost durchfressenen Vertiefungen der Klinge 
eine Inschrift zu sehen ist, bleibe dahingestellt, obgleich die Regelmäßigkeit 
dieser Rostflecke auf das Vorhandensein einer Inschrift deuten mag. Solche 
Schwertinschriften waren im XI. Jahrhundert keine Seltenheit, wie es die 
Ulfbehrt- und Ingelredgruppen beweisen. Ein neuer Rekonstruktionsversuch 
der Schwertklingeninschrift würde uns in das Reich von phantastischen, 
in tatsächlich Vorhandenem nicht im geringsten begründeten Kombinationen 
führenf" Man hat keinen zwingenden Grund, an der Echtheit des Holz- 
griffes des St. Stephan-Schwertes zu zweifeln. Die Form des Griffes sowie 
seine Abschnürung aus dem zusammengeflochtenen sich abwechselnden 
Eisen- und Golddraht, der unten in einem starken Flechtband aus Golddraht 
abschließt, entspricht durchaus der Zeit, in die wir das Schwert setzen." 
Fassen wir die Ergebnisse unserer Betrachtung zusammen, so gelangen 
wir zu folgendem Schluß: Das Schwert des heiligen Stephan ist eine nach 
Ungarn verirrte Wikingerspatha des beginnenden XI. Jahrhunderts, welche 
zwischen den erhaltenen Denkmälern dieser Gattung als Prunkschwert von 
ganz besonderem künstlerischen Werte eine hervorragende Stellung ein- 
nimmt. 
 
DER MEISSNER PORZELLANOBELISK IN 
LEMBERG 50 VON K. BERLING-DRESDEN Sie 
ER außerordentlich große Formenreichtum, dessen sich 
die Meißner Porzellanmanufaktur zu erfreuen 
hat, gibt dem Liebhaber ihrer Erzeugnisse in 
bezug auf Deutung der Einzelheiten und auf 
Datierung immer wieder von neuem Rätsel zu 
lösen auf. Denn staunenswert in ihrer Ver- 
schiedenheit sind die Geschirre, Figuren, Gruppen 
und sonstigen Dinge, die die Meißner Künstler 
während des über zweihundertjährigen Bestehens 
der Fabrik für den Verkauf geschaffen haben, aber 
noch interessanter diejenigen Stücke, die man 
hier auf Bestellung oder für einen besonderen Zweck hatte anfertigen lassen. 
Vor allem waren es die beiden Kurfürsten Friedrich August I. und II. 
gewesen, die für den eigenen Gebrauch und zu mancherlei Geschenken die 
Kunst ihrer Fabrik in weitestgehender Weise in Anspruch genommen hatten. 
Unter der Regierung des Zweitgenannten folgten auch eine Menge der 
übrigen Machthaber nach, bei denen es bald Sitte wurde, sich in Meißen 
Tafelservice zu bestellen. Die Bescheidenen begnügten sich dabei mit 
" Im Texte des Mikovec-Albums finden wir die nicht belegte Behauptung, daß diese Inschrift mut- 
maßlich bei einer Restaurierung im Jahre 1781 weggescblilfen wurde. 
i" Vgl. die Schwerter aus dem Funde aus Buxtehude, Lindenschmir, Alxertiirner (Mainz 1900), IV. 
Taf. 6a.
	        

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