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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 11 und 12)

JIJ 
ERJENIGE, der sich in einem der großen Handbücher 
der Kunstgeschichte über die deutsche Bildnerei 
der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts unter- 
richten will, vernimmt in den eineinhalb bis zwei 
Seiten, welche diesem Thema gewidmet sind, 
einige wenige deutsche Künstlernamen und 
mehrere fremde und schließlich das zusammen- 
fassende Urteil, daß es eine selbständige deutsche 
Bildhauerkunst dieser Zeit nicht gegeben habe. 
Der Denkmälerbestand an den großen und vor- 
nehmlich begangenen Straßen der Kunst scheint 
solchem Urteile nicht zu widersprechen und so ist man beinahe geneigt, 
auch die letzte Erklärung zu glauben, welche die Handbücher mit be- 
merkenswerter Einstimmigkeit für diese merkwürdige Erscheinung zu geben 
wissen, nämlich daß die Schrecken und 
Wirrnisse des dreißigjährigen Krieges alles 
selbständige Kunstleben auf deutschem 
Boden ertöteten. Ist es schon auf dem 
Gebiete der allgemeinen Geschichtschrei- 
bung sehr oft nur eine Verwechslung von 
Ursache und Folge, wenn der Gang der 
Geschichte fast ausschließlich als von 
Kriegen, Schlachten und Gefechten be- 
stimmt geschildert wird, so ist es noch 
viel bedenklicher und irreführender, auf 
dem Felde der Kunstgeschichtschreibung 
politischen Ereignissen allzugroße gene- 
tische Einwirkung auf das Kunstleben ein- 
zuräumen. Selbst bei einem Kriege wie 
dem, den wir eben jetzt erleben, der in alle 
Belange des Lebens eingreift, können wir 
einen bestimmenden Einfiuß des politischen 
Ereignisses auf das Kunstleben nicht fest- 
stellen. Um wieviel weniger konnte ein nicht 
annähernd so tief greifender Krieg wie der 
dreißigjährige, der viele deutsche Gebiete 
überhaupt nicht berührte, einen beinahe 
völligen Stillstand einer Kunstentwicklung 
herbeiführen, die noch im XVI. Jahrhun- 
dert, in der Zeit der späten Gotik, reich 
 
 
_ _ _ Abb. i. Die Figur der Justitia am Rathaus- 
geblüht hatte. Wer m den kirchlichen ponal zu Salzburg 
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