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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 6, 7 und 8)

nannte deutsche Renais- 
sance hatte ja die Entwick- 
lung der großen freiplasti- 
schen Gruppendarstellung 
ausgebildet, wir brauchen 
uns nur etwa an die mäch- 
tigen Mittelgruppen der Al- 
täre der Ulrichskirche in 
Augsburg oder an den 
uns schon wohlbekannten 
Mondseer Altar zu erinnern. 
Aber in solchen Darstel- 
lungen wie in Augsburg 
und Mondsee schufen die 
Künstler doch nur wohlstu- 
dierte menschliche Figuren, 
die in der Rolle von Heiligen 
aufzutreten hatten. Das 
Packende lag in der Präch- 
tigkeit, in der ebenmäßigen 
Schönheit ihrer Erschei- 
nung. In dem Mittelfeld des 
Floriani-Altars ist aber nicht 
mehr die Figur und Hand- 
lung des Heiligen an sich 
der Gegenstand derDal-Stel- Abb 1x Schalchen Oberösterreich jakobslriirche Die Enthau tun 
lungv Sondern das Wunder" i i der heiligen BzIliara(Detail) i p g 
bare. Der Pulverturm der 
Stadt brennt, die Stadt steht wenige Minuten vor der Zerstörung und da 
bricht der Heilige mit Wucht förmlich aus dem Bildgrunde hervor, er 
sprengt in der elementaren Urplötzlichkeit seiner Erscheinung den Rah- 
men der Bildnische, das Gewand flattert vom Sturm gepeitscht, als hätte 
ein Orkan eben den wundertätigen Feuerpatron auf Wolken zur Rettung 
herangetragen (Abb. 7). Auch die übrigen Heiligenfiguren des Altars 
zeigen dieses Streben des Künstlers, das Ungewöhnliche der Erscheinung 
zu betonen. Besonders St. Joachim, der Schutzengel und die Bischofsfigur 
(Abb. 6 und 8) sind in dieser Beziehung sehr gute plastische Leistungen, 
während die Figur St. Josefs in Haltung und Gewandbehandlung weniger 
befriedigt. Das Übermenschliche, Übermaterielle in der Erscheinung dieser 
Figuren wird, wie es in der allgemeinen Kunstentwicklung dieser Periode lag, 
durch gesteigerte Bewegung ausgedrückt. Die Figur St. Joachims repräsen- 
tiert am besten die Entwicklung (Abb. 8). Sie ist in einem leichten Kontra- 
post komponiert, die Geste ist bombastisch posiert, das Gewand, das in 
schweren Faltenziigen fällt, ist" reich bewegt, der Gewandsaum kräuselt
	        

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