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Full text: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 6, 7 und 8)

thalersche Gruppe der Anbetung der heiligen drei Könige aufgestellt 
(Abb. 27 bis 30), Die Figuren sind voll prächtiger Lebenswahrheit; sie treten 
fast wie lebend aus dem Altar heraus und nähern sich so der Wirkung spa- 
nischer veristischer Plastik. Die Gruppe ist für die psychologische Erfassung 
des barocken Bewegungsstils überaus illustrierend. Der Künstler wollte hier 
kein übematürliches Geschehnis darstellen, sondern eine liebliche, anmutige 
Szene aus dem Leben Jesu. Die Könige aus dem Morgenlande kommen, 
um das Kindlein anzubeten. Damit war keine Veranlassung gegeben, den 
Bewegungsrhythmus der Figuren zum übersinnlichen Affekt zu steigern. 
Ruhig, voll sinnfälliger Natürlichkeit ist der Faltenfall der überaus prächtigen, 
farbensatten Gewänder wiedergegeben; nur an den Gewändern Mariens 
und an dem Lendentuch des Gotteskindes finden wir, nur leicht betont, jene 
gesteigerten Bewegungslinien, welche dem Natürlichen den Schein der 
Übersinnlichkeit leihen sollten (Abb. 28)." 
Das der Vollendung des Gmundner Altars folgende Jahrzehnt bedeutet 
in unserer Kenntnis des Schwanthalerschen Schaffens eine empfindliche 
Lücke. Wir haben aus dieser Zeit 
zwar den guten Grabstein des 
Propstes Anton Ernst von Rei- 
chersberg (Abb. 14) kennen ge- 
lernt, sonst sind uns aber nur 
einige archivalische Daten über 
nicht mehr erhaltene Arbeiten für 
die Pfarrkirche in Mehrnbach be- 
kannt. Schon 1675 hatte er das 
Bildnis Christi im Jordan auf 
den Taufdeckel für 6 Gulden 
geschnitzt. 1684 erhielt er für ein 
geschnitztes Christkindlein auf 
die heilige Weihnachtszeit '2 Gul- 
den, 1685 für ein St. Michaeli- 
Bildnis 3 Gulden und im selben 
Jahre für Verbesserungen an 
drei alten „Hilzenen Bildnussen" 
S. S. Sebastiani, Wolfgangi und 
Erasmi 2 Gulden 30 Kreuzer 
" Das Gmundner Museum besitzt Krip- 
perltiguren, welche dern Thomas Schwanthaler 
zugeschrieben werden und als Modell eines 
Schwanthalerschen Altarwerkes gelten. Sie haben 
mit Schwanthaler nichts zu tun. Sie sind be- 
scheidene Schnitzereien, bei denen die Gmundner 
Altarfiguren als Vorbild dienten. Auch das dem 
Schwanthaler zugeschriebene Relief der heiligen 
Katharina im Gmundner Museum kann keines- 
falls als eigenhändige Arbeit Schwanthalers an- 
gesehen werden. Abb. 3a. Gmunden, Stadtpfarrkirche, Hochaltar (Detail)
	        
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