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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 6, 7 und 8)

DAS EPITAPH DES FURSTEN HARTMANN 
VON LIECHTENSTEIN ZU NIEDER-ABSDORF 
UND SEIN MEISTER, DER WIENER BILD- 
HAUER PLIEMB S0 VON DR. E. W. BRAUN- 
(J N der Pfarrkirche zu Nieder-Absdorf in Nieder- 
österreich bei Drösing ist ein recht dekoratives 
und hübsches Epitaph für den Fürsten Hart- 
mann von Liechtenstein angebracht, und zwar 
' im I-Iauptschiff an der Wand, 1'5o Meter über 
i, dem Boden. Das Grabdenkmal ist aus Sand- 
stein und aus verschiedenen Teilen zusammen- 
gesetzt?" Am größten ist eine in den schweren 
reichen Formen des Spätbarock ausgeführte 
breite Kartusche mit der Inschrift. Den Abschluß 
derselben nach unten bildet eine Konsole, auf der ein Engel ruht, welcher 
einen von seiner linken Hand gehaltenen Totenkopf betrachtet. Den oberen 
Abschluß bildet eine weitere Kartusche mit dem fürstlichen Wappen, das 
von einem Fürstenhut auf einem bärtigen Maskaron gekrönt wird. Zu beiden 
Seiten des Wappens sind an der Wand zwei klagende Engel angebracht, 
denen weiter unten, links und rechts von der Inschrift, zwei weitere Putten 
mit Füllhörnern entsprechen. Das Denkmal ist gut und kräftig gegliedert und 
zeugt von dem gesunden und tüchtigen handwerklichen Können der damaligen 
Barockbildhauer. Den Meister des Epitaphs haben wir in Wien zu suchen. 
Ein Zufall hat es gefügt, daß ich den Namen desselben nennen kann, wodurch 
wir einen hübschen Beitrag zur Geschichte der Wiener Plastik aus der 
ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts gewinnen. Nach einer Notiz im Wiener 
Diarium aus dem Jahre x728 (8, I) wurde nämlich dieses „Marmorepitaph", 
wie der Chronist in Unkenntnis des Materials berichtet, für die Kapelle zu 
Absdorf durch den bürgerlichen Bildhauer Josef Pliemb in Wien angefertigt 
und die ansprechende charakteristische Inschrift soll der Fürst Hartmann 
selbst geschrieben haben. Über diesen Wiener Bildhauer Josef Pliemb sind 
glücklicherweise noch andere archivalische Nachrichten kürzlich veröffent- 
licht worden. Haidecki berichtet in seinen „Quellen zur Geschichte Wiens" 
(Band VI, Igo8) unter Nummer 7492, daß er (Pliemb) zusammen mit dem 
BildhauerJohannes Christian Lehner als Trauzeugen des Bildhauers Johannes 
Georg Hillibrandt im Jahre x73! fungierte. Ein zweitesmal kommt er als 
Zeuge im Jahre 1735 bei der Trauung des Bildhauers Johannes Freundt 
vor (Nr. 8982)." 
 
5' Die Höhe des gesamten Denkmals beträgt 2315 Meter, die Breite x'55 Meter. Jeder der vier Engel, die 
separat neben dem Epitaph an der Mauer befestigt sind, ist 5c Zentimeter hoch. 
i" Vielleicht war Josef Pliemb der Sohn des x73: irn Wiener Bürgerspital verstorbenen 6c Jahre alten 
bürgerlichen Bildhauers Lorenz Pliemb (Haidecki, a. a. 0., Nr. 131224). 
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