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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 9 und 10)

Lage sehen wir ihn auf dem aus der Vogelperspektive gesehenen Stadtplan 
Giulio Calots": (1593 bis 1635) und ganz deutlich auf einem Stadtplan vom 
Jahre 1661, der im Jahre 1740 neu herausgegeben wurde (Abb. 1). Erst 1687 
wurde er in den Mittelpunkt des Platzes gerückt. 
Mithin war die Arbeit zur glücklichen Vollendung gelangt. Die Verdienste 
des Statthalters Da Ponte um die Errichtung dieses Werkes, das der Stadt 
zum Heile und zur Verschönerung dienen sollte, verkünden die vergoldeten 
Lettern der Inschrift an der Fontäne Carraras, während Giovanni da Udine 
an seiner Schöpfung das Wappen des venezianischen Patriziers anbrachte. 
Als Zierde konnten die beiden Monumente wohl das Ansehen der Stadt 
verherrlichen, aber ihre nützliche Fhnktion, die den Anlaß des Werkes 
bildete und ihrem Bestande die eigentliche Berechtigung gab, haben sie 
keineswegs erfüllt. Denn mit dem Zeitpunkte ihrer Vollendung beginnt die 
Leidensgeschichte, die der Gemeinde in der Zukunft soviel Verlegenheit und 
Geldopfer auferlegte. Die Anlage war von vornherein verfehlt und bis ins 
XIX. Jahrhundert erheben sich die Klagen, daß die Fontänen des belebenden 
Elementes der Wasserspeisung entbehren: „potius dedecori sunt Civitati, 
quam aliquod ei afferant omamentum" wird gegen den Anfang des Seicento 
geklagt und noch 1785: „turpiter ad nullos usus adhiberi". 
Uns interessieren hier nur die Berichte, soweit sie aus dem Cinquecento 
stammen. In den Jahren 1546 und 1550 wird Giovanni da Carrara aus Venedig 
nach Udine zurückberufen, um die Ursachen der Schäden zu ermitteln und 
diese zu beseitigen. Da ihm dies nicht gelingen mag, entledigt man sich 
endlich seiner unnützen Hilfe und der große Stadtrat überträgt am 1 1.Juli 15 52 
an Giovanni da Udine das Amt eines Proto und Architekten aller öffentlichen 
Bauten und insbesondere der Oberaufsicht für die Brunnen der beiden Plätze 
mit einem Jahresgehalt von vierzig Dukaten. (Die geringen Stadteinkünfte 
zwangen aber den Magistrat, diese Zahlung im Jahre 1557 wieder einzustellen.) 
Aber auch er ist nicht imstande, wenigstens für die Dauer, die ersehnte Abhilfe 
zu schaffen, obwohl er in diesen Arbeiten wohl einige Erfahrung besessen 
haben muß. Nicht nur daß er kurz vorher von der Stadtverwaltung zur 
Ablegung von Gutachten über Flußregulierungen und Brückenbauten auf- 
gefordert worden war," so schuf er auch in Rom, wie Vasari berichtet, ver- 
schiedene Wasserwerke; für den Kardinal Giulio de' Medici in der Vigna des 
Monte Mario einen Brunnen, wo der Kopf eines Elefanten als Wasserspeier 
diente; ferner einen anderen (naturalistischen) Brunnen („un' altra fonte, ma 
salvatica") in einer künstlichen Tropfsteingrotte; die Wasserrnündung bildete 
ein Löwenkopf, den ein vorgetäuschter Pflanzenkranz umrahmte. 
Übrigens ist es recht auffallend, daß bei dem hohen Stande, zu dem 
damals die Wasserbaukunst gelangte, so schlechte Erfolge erzielt wurden. 
Die Mitte des Cinquecento wird durch das Auftreten zahlreicher Ingenieure 
" Eine schlechte Abbildung dieses Planes in dem Buche „Il Seminario di Udine". 
H" Joppi, „Contributo", III, Seite 14. Nach Joppi („Di alcune opere d' arte in San Daniele del Friuli", 
Udine 1885) hat Giovanni auch für S. Daniele einen Brunnen (aber eine Zisterne) verfertigt.
	        

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