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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 9 und 10)

um? 
fassung, die aus der zeichnerischen Anwendung tief eingeritzter, symme- 
trisch verteilter Ziselierungsfurchen resultiert. Es ist dies nicht eigentlich das 
typische Schema, nach dem man in Venedig das Symbol des Stadtheiligen 
darzustellen gewohnt war. Diese Löwenköpfe, deren Bedeutung bisher 
keineswegs erkannt wurde, sind augenscheinlich das Werk eines Meisters, 
dem man als Stukkateur treffliche Leistungen zutrauen möchte f" denn selbst 
in der Metallreproduktion dringt der Eindruck der weichen Tonmasse, aus 
der das Modell verfertigt war, noch unverfälscht hervor. Ohne Zwang stellt 
sich eine so geartete Schöpfung in 
den Bereich jener Groteskenarbeiten, 
deren eigentümliche Stilmerkmale sie 
in ähnlicher Weise bekundet: nämlich 
jene Mischung antiker Elemente (Ein- 
fluß antiker Überreste in den Titus- 
Thermen) einerseits und eigener und 
origineller Naturbeobachtungen ander- 
seits. Ihre Vereinigung wird durch eine 
maßvoll eingehaltene Stilisierung, die 
vorhandene Gegensätze auszugleichen 
sucht, ermöglicht. Dieser Auffassung 
entspringt daher sowohl dekorativ 
gelöste Erscheinung wie tektonisch 
gefestigte Bildung und da nun diese 
Eigenschaften die zutreffendste Cha- 
rakteristik unseres Werkes ergeben, 
so liefern sie auch den Beweis, daß 
Giovanni da Udine selbst den Entwurf 
für das Gußmodell verfertigt hat. Nicht 
allein seine Grotesken und Stukkaturen Abb. 16. Giovanni a; Udine, Löwenkopf, einer der 
in Udine, Venedig (Palazzo  Wasserspeier an den ächalen der beiden Fontänen 
und Rom möchten wir hier zum Ver- ( "mm 
gleich heranziehen, sondern auch jene prächtige Zeichnung, die Hans Tietze 
auf einem Umschlagpergament der von ihm geretteten Familienpapiere und 
Rechnungsbücher des Künstlers fand und veröffentlicht hat." Die seinem 
Aufsatz beigegebene Abbildung einer sitzenden Katze verrät in ihrer strengen 
und klar umrissenen Wiedergabe in der Tat ein verwandtes Stilgefühl. Die 
Nachwirkung früherer Drolerienkunst, die durch den reich einströmenden 
antiken Geist gestärkt und gesättigt erscheint, liegt hier vor; erinnert die 
Zeichnung in manchen Zügen doch an die monumentalen Tierdarstellungen 
der alten Ägypter (man vergleiche den berühmten Fund von Katzeniiguren 
in der Abfallgrube von Bubastis). 
 
"' Ferrari, „Lu stucco nel1' ane italiana", Milano, Tav. XXXI und XXXVII (Szukkaturen in der Villa 
Madama zu Rom). - G. Volpato e j. Onaviani, „Le Loggie del Vaticano", Roma 1772 76. 
"x H. Tietze, „Die Familienpapiere des Giovanni da Udine", „Kunstchroniw vom 12. April 1918. 
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