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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 9 und 10)

Was aber die beiden Fontänen vor allem auszeichnet, ist ihre schlichte 
und antikisch-gesetzmäßige Form. Die Schmuckverbrärnung beschränkte 
sich, wie wir sahen, auf die unentbehrlichsten Beigaben, die mit ihrem 
Dienste als Wasserspeier sachgerecht dem Zwecke der Anlage sich fügten. 
Sonst aber wird der Reiz der Brunnen nur durch die Schönheit der Formung 
der Schalen und ihrer Stützen, nur_durch das Einhalten bestimmt normierter 
Proportionen erzielt. Dazu kommt noch ein wichtiger Umstand: die Zweck- 
mäßigkeit und die dekorative Aufgabe zur Verschönerung eines Platzes 
halten sich die Wage; die Fontänen haben den Wert selbständiger Monu- 
mente erlangt, unabhängig von der heilspendenden Funktion, die ihnen auf- 
erlegt ist (vgl. als Vorläufer Niccola Pisanos Brunnen in Perugia usw.). 
In Udine und zum größten Teile in den nördlichen Gegenden Italiens 
lagen wohl nicht die Vorbedingungen vor, welche die Form des „isolierten 
tektonischen Brunnens" - eine vonWölfflinf ausgesprochene Bezeichnung - 
begründeten. Nur die Piazza d'Erbe in Verona - der Stadt des Arnphitheaters 
und der Porta dei Borsari -- besitzt bereits seit dem Jahre I 368 in der von 
der berühmten Statue der Madonna Verona bekrönten Fontäne ein solches 
Schaustück, das zum Teil aber aus an- 
tiken Bestandteilen zusammengestellt 
ist. In der Regel aber hält man noch 
im XVII. und XVIII. Jahrhundert an der 
altehrwürdigen Form des Pozzo fest. 
(Beispiele in Udine: am Kastellplateau, 
im Hofe des erzbischöflichen Palastes 
usw.) Ihre rechtmäßige Datierung wird 
nur durch die Kartuschen der ange- 
brachten Wappen oder durch den Wort- 
laut einer Inschrift, allenfalls durch das 
Aussehen des schmiedeeisernen Kra- 
nes, der die zur Wasserschöpfung die- 
nende Rolle hält, gewährleistet. Zumal 
in diesen knapp an dem Fuße der Alpen 
liegenden Städten läßt das Eindringen 
nördlicher Kunstelemente das Fest- 
halten an anachronistischen Formen 
und höchstens ihre nur geringfügige 
Modernisierung als ein ständiges Ereig- 
nis erscheinen. Die Vedute des höchst 
malerischen Mercato zu Belluno etwa 
wird nicht nur als ein sinnfälliges 
Gegenbeispiel zu der Piazza S. Giacomo 
zu Udine gelten können, sondern der 
 
Abb. 17. Entwurf einer Statue zur Ausschmückung "' H. Wölfflin, „Renaissance undBarockWMünchen, 
des Mercato nuovo (Zeichnung) 1908, 3. Auflage, Seite x18.
	        

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