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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 9 und 10)

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dort zur Aufstellung gelangte Brunnen bekundet fraglos die Vermischung 
italienischer und alpenländischer Stileigentümlichkeiten (Abb. 6). 
Andererseits bot der Zwang, den die geographische Lage Venedigs 
der Stadt in dieser Hinsicht naturgemäß auferlegte, auch für die unter dem 
Markusbanner beherrschten Länder ein nachahmunggebietendes Exempel. 
Entbehrte die Piazza von San Marco des Schmuckes Wassergarben empor- 
sendender Fontänen, die in jeder anderen Umgebung als der selbstverständ- 
lichste Bestandteil der wunderbaren Szenerie angesehen worden wären, 
so besaß dafür jede Platzanlage und fast jeder Haushof den zugehörigen 
Pozzo; bereits Francesco Sansovino hat diese weise Vorkehrungsmaßregel 
der Serenissima mit Stolz und Anerkennung hervorgehoben." Der aus diesem 
Massenbetrieb" ableitbare Konservativismus konnte selbst in der regen und 
entwicklungsreichen Entfaltung der venezianischen Kunst keine Gefährdung 
sehen. Die alten Formen (Kapitäl, Kubus, Achteck, Ring) der Brunnen- 
Öffnung, der „Vera", bleiben unverbrüchlich bestehen.""" Zwei besonders 
wichtige Beispiele mögen dies beweisen: die im Jahre r467 von einem 
Maestro Cristoforo di Martino Tagliapietra gefertigte Kopie einer byzan- 
tinischen Vera (heute auf Schloß 
Kreutzenstein bei Wien)- und ander- 
seits der auf das Jahr 1713 (!) datierte 
Pozzo am Campo S. Ermagora und 
Fortunatonl- Und selbst die berühmten 
in den Jahren 1546 und 155g entstan- 
denen Bronzepozzi des Dogenpalastes 
sind der üblichen Grundidee nach- 
gebildet. Es ist aber nicht von gerin- 
gem Interesse, daß zu den geläufigen 
Dekorbestandteilen, die den Schmuck 
der Pozzi ausmachen, das (byzantini- 
sche) Motiv einer kelchförtnigen Fon- 
täne (zum Beispiel: Raccolta, Tav. Xa) 
zur Abbildung gelangt, entsprechend 
ähnlichen Illustrationen, wie sie in 
den Architekturbüchem und in Druck- 
werken der venezianischen Oftizinen zu 
Enden sind. 
' Francesco Sansovino, „Venetia am nobilis- 
sima", Venetia 1581, Seite 140 v. „Concioaia ch' ogni 
piazza, b campo, ö corte ha il auo pozzo, fatto da! pub- 
hlico . . . . ." 
"K Vgl. den oben (Seite 318) erwähnten Meister 
Banolorneo in Cistemis. 
m" „Raccolm delle Vere da Pozzo in Venezia" 
(Ferd. Ongania); Cattaneo, „Uarchitenura in Italia . . .", 
Venezia 1888, Seite 280; Paoletti, z. a. 0., Text Seite 23. Abb. 18. Entwurf einer Statue zur Aussehmückung 
1' Raccolta, a. a. 0., Tafel CLXVII. des Mercato nuovo (Zeichnung) 

	        

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