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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 9 und 10)

Der Mercato nuovo von Udine 
selbst zeigt ein charakteristisches Bei- 
spiel dieser altertümlichen Form. Links 
von S. Giacomo, dort wo ein zurück- 
weichendes Haus einen kleinen selb- 
ständigen Platz zu formen mithilft, ist 
die schmucke Form eines derartigen 
Brunnens erhalten, der wegen seines 
seltsam fragmentarischen Aussehens 
mit der über der Baldachinplatte ver- 
einsamt und ohne Zweck und Sinn 
emporragenden Säule in Analogie des 
Lysikrates-Denkmales zu Athen von 
Cavalcaselle als die „Lateme des 
Demosthenes" bezeichnet wurde, eine 
geistreiche Benennung, die in allen 
Führern Anklang gefunden hat (Abb. 5 
und 3). Der achtseiüge Brunnentrog 
zeigt an seinen Schranken die für 
die gleichzeitige venezianische Kunst 
charakteristische Schmuckanwendung: 
symmetrisch gebildete Vasen, zierlich 
geraffte Girlanden, Fruchtkränze und 
zarte Bänder, die sich gleichmäßig zu 
A __ den Seiten der Wappenschilde empor- 
Abb. 19. Entwurf einer Statue zur Ausschmuckung . . 
desmemn, nuovoaeichnung) heben und senken; es sind typische 
_ Ableitungen nach den antiken Vor- 
bildern des Augusteischen Zeitalters. Das Motiv des Baldachins (die Kapitäle 
der Tragstützen sind mit anmutigen Tierköpfen und Sphingengestalten ver- 
ziert) ist möglicherweise auf nördliche Anregungen zurückzuführen. An der 
Deckplatte die Inschrift „Thomas Lipom. (anus) Patrie Praetor foru no(vo) 
puteo fonteq . . . . more (Steinbeschädigung) decoravit x487"; an einer der 
Pozzoschranken die Buchstaben „C. V. T. F. F". 
Fand sich also hier im Norden nicht das maßgebende Vorbild, so boten 
die Brunnenformen Roms und hauptsächlich jene von Florenz die not- 
wendigen Anregungen. Es ist recht wahrscheinlich, daß Giovanni da Udine, 
der-in der entsprechenden Zeit in seiner Geburtsstadt weilte, auch an der 
Konzeption der Fontäne Carraras regen Anteil genommen hat. Sonst werden 
wohl Vorlagenblätter die gesuchte Unterstützung geboten haben. 
Gegen zwei Jahrhunderte waren ungefähr verstrichen, der Mercato 
nuovo hatte inzwischen keine umfassenden Veränderungen erfahren. Die 
Fontäne Giovanni da Udines, dessen versiegte Wasserkunst der Stadt und 
ihren Bürgern zum Leidwesen gereichte, wurde - wie bereits erwähnt - 
erst im XVII. Jahrhundert in dem Mittelpunkt des Platzpodiums aufgestellt. 

	        

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