MAK

Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 9 und 10)

Die Entwürfei" zeigen vier Skulpturen, deren Piedestale an ihrer Vorder- 
seite das Stadtwappen tragen, das seit der verdienstvollen Regierung des 
venezianischen Statthalters Antonio Cavalli (1583) neben dem Emblem der 
Savorgnani das steigende Pferd als Helmschmuck führt. Die Statuen reprä- 
sentieren Bacchus und drei weibliche Gestalten, deren nur unterdrückt 
angegebene Symbole die Erkenntnis ihrer ikonographischen Bedeutung 
recht erschweren. Vermutlich versinnbildlichen sie die Personifikation der 
Fruchtbarkeit im allgemeinen. Die Statuen tragen die Symbole jener 
Produkte, Wein, Getreide, Früchte, die am Markte zum Verkauf aus- 
gestellt werden. Die vierte (weibliche) Figur (Abb. 18) aber streckt den 
linken Arm vor und hält zwischen Daumen und Zeigefinger einen ganz 
kleinen ring- oder scheibenförmigen Körper, der wohl eine Münze dar- 
stellen soll: es ist das Geld, das hier „am Markte" die notwendigste 
Voraussetzung des Handels bildet. Das Ergebnis dieser Deutung aber 
bestätigt in recht einwandfreier Weise die Bestimmung der Entwürfe als 
geplante Schmuckglieder des Mercato. Die Zeichnungen entstammen un- 
leugbar dem tiepolesken Kunstkreise; die Affinität zu dem Stil der beiden 
Venezianer, deren Schaffen mit der künstlerischen Kultur Udines so innig 
verknüpft ist, äußert sich nicht allein in manchen Einzelheiten (wie das 
Motiv der ägyptisierenden Maske an der Gürtelschnalle jener weiblichen 
Figur, die als Ceres oder als Symbol des Getreideanbaues anzusprechen 
ist (Abb. 20), sondern verrät sich viel stärker noch in der Technik 
und in verschiedenen Eigentümlichkeiten der 
Wiedergabe, wie sie für die tiepoleske Manier 
besonders charakteristisch sind. Offensichtlich ist 
der Einfluß der Frühwerke Giambattistas im erz- 
bischöflichen Palast zu verspüren; die von ihm 
dort gemalten Figuren der alttestamentarischen 
Prophetinnen, die fingierte, in Nischen gestellte 
Bronzestatuen vortäuschen sollen," sind ohne 
weiteres als nachwirkende Vorbilder anzusehen. 
Die verhältnismäßig kleinen Proportionen der 
Köpfe, die typische Bildung der Füße, Ähnlich- 
keiten in der Gewandbehandlung stellen eine 
nahe Verbindung her, aber trotzdem möchte man 
die vorliegenden Entwürfe angesichts der etwas 
trockenen Zeichnungsweise, die den geistreichen 
Skizzen der beiden Meister nicht gleichzukomrnen 
f Udine, Biblioteca Cornunale, Klebeband (Signatur LL, IX). 
Beschreibung der Zeichnungen: Papier weiß, braune Feder, grau laviert. 
Blattgröße 495x335 Millimeter. Auf der Zeichnung mit der Bacchus- 
statue ein Maßstab; ihm entsprechend hätten die Figuren (mit dem 
Sockel) eine Höhe von genau „13 piedi Veneziani" (etwa 41k Meter) 
Abb. 2x. Holzfigur des {erreichen sollen. 
heiligen Rochus an der Seitenwand "' Eine Abbildung dieser bisher unveröffenxlichen Nischenfiguren 
von S. Giacomo wird einer meiner nächsten Tiepolo-Aufsätze bieten. 

	        

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