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Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / 1, 2 und 3)

 
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KÜNSTLER IM KUNSTHANDWERK so- VON 
HERMANN TRENKWALD-WIEN a- 
IE Frage nach der Anteilnahme bedeutender Künstler 
an der Entwicklung des Kunstgewerbes muß 
einmal einer gründlichen zusammenfassenden 
Bearbeitung unterzogen werden; es ist eigentlich 
verwunderlich, daß dies nicht bereits geschehen. 
Unsere Zeit, deren ältere Generation die durch 
schöpferische Einflußnahme der Künstler ge- 
kennzeichnete Erneuerung des Kunsthandwerks 
miterlebt hat, erscheint für eine solche Aufgabe 
besonders geeignet, man möchte ihr aus dem 
Werdegang der eigenen Zeitkunst heraus eine 
starke Witterung für die hier in Betracht kommenden Dinge zusprechen. 
Im folgenden seien vorläulig nur einige Anhaltspunkte für die Behandlung 
dieser Fragen gegeben. ' 
Art und Umfang der Einwirkung von Künstlern auf das Kunsthandwerk 
ist zu verschiedenen Zeiten verschieden, es gibt Zeiten, in denen eine solche 
überhaupt nicht vorhanden. So kennt die mittelalterliche Werkstattkunst 
noch keine Scheidung von Künstlern und Handwerkern in unserem Sinne. 
In der Klosterkunst der vorromanischen Zeit ausgebildet, blieb dieses Ver- 
hältnis auch, als große Laienkünstler führend geworden, und auf ihm beruht 
der einheitliche künstlerische Geist, der aus den einzelnen mittelalterlichen 
Arbeiten spricht, ihre innere Größe und eigenartige Wirkung. Es erschiene 
wie ein Sakrileg am Geiste des Kunstwerks, wollte man etwa supponieren, 
ein Architekt hätte eines der Goldschmiedewerke entworfen, ein Gold- 
schmied nach dem Entwurf nur die Ausführung innegehabt. 
Die mittelalterliche Künstlerpersönlichkeit wurzelt in der Werkstatt und 
geht in ihr auf. Künstler wie Handwerker sind Dienende, vorwiegend der 
Kirche, und namenlos? Nennt sich im Zeitalter des romanischen Stils 
einmal der Künstler auf einer Arbeit, so geschieht es in der bescheidensten 
Weise, wofür zum Beispiel die Bezeichnung des Maurinus-Schreines in 
Köln kennzeichnend ist." 
Das Bild einer mittelalterlichen Künstlerwerkstatt gewinnen wir aus der 
Schedula diversarum artium des Theophilus Presbyter und aus dem Traktat 
Cenninis, dessen Atelier gemäß seiner noch ganz zünftigen und handwerks- 
mäßigen Ausgestaltung alle Arten gewerblicher Arbeiten ausgeführt hat, das 
Bemalen von Fahnen, Schildern, Truhen, Vorzeichnungen für Sticker und 
Zeugdrucker, selbst das kunstgerechte Schminken der Damen. „Handwerk und 
Kunst, ars mechanica und liberalis, sind noch einträchtig beisammenßm": 
"' Über die Stellung des mittelalterlichen Künstlers und seine allmähliche Befreiung aus der handwerle 
liehen Zunft vgl. Schlosser, „Materialien zur Quellenkunde der Kunstgeschichte", I, Wien X914, Seite 79 H. 
und VI, 191g, Seite m6 E. 
m" Vgl. von Falke „Deutsche Schmelzarbeiten des Mittelalters". Frankfurt am Main, 1904, Seite 4x. 
i" Schlosser, a. a. 0., I, Seite rot.
	        

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