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Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / 1, 2 und 3)

denken. Ob F. A. Kuen vielleicht bei dem Entwurfe dieser den sonstigen 
Durchschnitt der Bregenzer Goldarbeiten überragenden Arbeit etwa selbst 
mitbeteiligt war, ob ihn vielleicht der Kaplan nach Wangen empfohlen hatte 
und in welchem Verhältnis der Goldschmied J. G. Zwickle zu den beiden 
Genannten stand, darüber oder über ähnliche Fragen wird uns vielleicht 
einmal ein glücklicher Urkundenfund in Wangen oder Bregenz einigen 
Aufschluß zu geben vermögen. Hoffentlich bietet dieser Aufsatz die An- 
regung, den bislang noch völlig unbekannten Vorarlberger Silberarbeitern 
und ihren Werken näher nachzuspüren. 
AUS DEM WIENER KUNSTLEBENM. VON 
HARTWIG FISCHEL-WIEN S0 
EZESSION. Die Frühjahrsausstellung der Sezession zeigt jenes Festhalten an einer 
malerischen Ausdrucksweise, welches erprobtes Können, aber kein fortschreitendes 
Wollen bekundet. Wenn man die farbenbunten Kompositionen L. Gottliebs ausnimmt, so 
erinnert nichts an die Gärungen und Strebungen, die heute wieder so viele Sezessionen 
hervorgerufen haben. Angenehm wirkt das Vorwiegen mäßiger Formate der Werke, welche 
auch inhaltlich allen sensationellen Wirkungen aus dem Wege gehen, dafür vielerlei intime 
Genüsse bieten. 
Die Freude an der Farbe und am breiten malerischen Aufbau wird vielfach gepiiegt 
und eine vielseitige graphische Abteilung begleitet die Bilder und zeigt, wie dieselben 
Künstler den Stift mit Freiheit und Temperament handhaben, die den Pinsel breit und 
kräftig oder fein und geschmeidig führen. F. Kitt erfreut durch solche wohlgesümmte 
Farbigkeit, die Klarheit und Einfachheit mit Kraft verbindet. Im Porträt weiß er starken 
Eindruck auszuüben. Seine Zeichnungen sind nicht weniger reizvoll. E. Wagners Land- 
schaften sind innige Lobgesänge auf die Schönheit der Welt, von einem Lyriker dar- 
gebracht, der Feinheit der Naturbeobachtung mit Wärme und Intimität verbindet. U. Tichy 
weiß in duftigen Aquarellen die Liebe zur heiteren sonnigen Strandnatur auszudrücken, 
während H. Rösch seinen Sinn für die architektonische, ernste Größe des alten Wien mit 
grauen, weichen, nur vom Dämmerlicht, aber nicht von der Farbe belebten Visionen 
dokumentiert. 
Auch in A. Nowaks Bildern aus der Grazer alten Bauwelt lebt der Sinn für die große 
Baukunst der Vergangenheit und eine mehr zeichnerische als malerische Ausdrucksweise. 
In seinen Bildern aus dem Schwarzenbergpark gelingt es Eck, die Stimmung des 
barocken Wien herauszuholen. So leben viele Künstler von den Zaubern der Vergangen- 
heit befangen, während sie die Erscheinungen der Gegenwart festzuhalten suchen, und 
vielleicht ist es ein Ausdruck von Gegenwartsflucht, die so den Druck des Augenblicks zu 
vergessen sucht. 
L. Forstners große und kleine ornamentale Entwürfe zu musivischen Arbeiten in 
Glas und Glassteinen erinnern an eine Zeit, die vorüber ist. Hier lebt noch der Stilismus 
der ersten Zeit der Sezession im strengen, hochschlanken, farbenfrohen Flächenschmuck; 
der Führer Klimt ist nun nicht mehr unter den Lebenden und seine Träume von einer 
neuen Welt der farbigen, leuchtenden Schönheit leben nur mehr in seinem verstreuten 
Werk und in einzelnen seiner Gefolgschaft. 
Forstner hat im Mosaik und im bunten Glasfenster seinen Anteil am Bauwerk 
erobert. Wann wird wieder eine Zeit kommen, die diese Schönheiten bei uns benötigt? 
Daß aber der Künstler mit fester Hand und sicherem Blick auch aus der Not der 
Zeit Gewinn zu schöpfen vermag, das zeigen die klaren reizvollen Zeichnungen, mit denen
	        

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