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Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / 1, 2 und 3)

Bauzustand vor Augen führt. Die prächtige Gartenanlage dagegen, von der wir aus 
mehreren Stichabbildungen Salomon Kleiners eine annähernde Vorstellung gewinnen, ist 
einer späteren Parzellierung zum Opfer gefallen. Denn zu Beginn und in der Mitte des 
XIX. Jahrhunderts wurde das ausgedehnte Areal, in dessen Grenzen einst die stolze und 
vornehme Anlage sich ausgebreitet hatte, in zahlreiche Gründe zerlegt. Das Landhaus 
selbst wurde Eigentum der fürstlichen Familie Schönburg-Hartenstein, die sich dieses 
Besitztumes noch heute rühmen kann. Die übrigen Bestandteile des umfangreichen Bau- 
komplexes sind zum größten Teil verschwunden, seitdem sie in fremde Hände übergegangen 
waren. Im jahre x82g hatte der Chemiker Ladislaus Romer das Belvedere, das ehemals 
nach üblichem Barockgeschmack den Abschluß des Gartenprospektes gebildet hatte, zu 
einer Villa im Stile des Vorrnärz umgebaut. Andere Partien des Grundes erwarb der in der 
Gesellschaft der franziszeischen Ära vielgenannte Josef Rosenbaum, der hier einen Garten 
anlegen ließ, in dessen Rahmen ein gotischer Turm, eine dem heiligen Severin gewidmete 
Kapelle, ein Standbild Geweys, des Verfassers der Eipeldauerbriefe, eine Kettenbrücke, die 
über einen künstlich gestauten kleinen Teich führte, usw. gezeigt wurden: die üblichen 
romantischen Requisiten eines englischen Gartens, der im kleinen und in einem etwas 
verspäteten Zeitpunkte das Vorbild des Laxenburger Schlosses nachzuahmen sich bestrebte. 
Dies bildet den Inhalt der kleinen, geschmackvollen Schrift, die von der Verfasserin 
mit zierlichen, säuberlich aufkaschierten Bildchen und Plänchen ausgestattet wurde. 
Die Frage nach dem Namen des Architekten, dem wir den Entwurf und die Errichtung 
dieses Landhauses verdanken, das Problem, ob und wie weit Fischer von Erlach sich an 
diesem Werke beteiligt hat, ist von der Autorin nicht gelöst worden. Doch besteht die 
Hoffnung, daß die in Kürze zu erwartenden Forschungen Dagobert Freys uns darüber 
Aufklärung geben werden. Marianne Zweig aber, der wir bereits einen anregenden Aufsatz 
über die Althanschen Gartenpaläste in Wien verdanken, hat mit der Veröffentlichung ihres 
Buches und mit der Wiedergabe mehrerer brauchbarer Abbildungen unser Interesse an 
diesem Bau und an der Ermittlung seines Schöpfers wesentlich gesteigert. 
Oswald Kutschera-Woborsky 
ÜSTÜMKÜNDE FÜR SAMMLERfk In seiner Vorrede betont der Verfasser, 
daß er keine Entwicklungsgeschichte der Tracht schreiben wollte, sondern dem 
Sammler und Liebhaber von ,,Originalkleidungsstücken" Anregung und Aufschluß geben 
möchte. Aber sucht man in dem Inhaltsverzeichnis Rat über die Disposition des Buches, 
so muß allein der Umfang des ersten Kapitels mit der Überschrift „Frühzeit bis XVILJahr- 
hundert", das nicht mehr als zwölf Seiten umfaßt, Bedenken erregen, um so mehr, da die 
Ausführungen mit der prähistorischen Zeit einsetzen. Mehr Interesse bringt der Verfasser 
der Gestaltung der Mode im Laufe der letzten Jahrhunderte und dem Zustand der Trachten 
der Gegenwart entgegen. 
Fraglos fehlt die notwendige Sachkenntnis; die willkürlich, aus einem obertiächlich 
zusammengesuchten Material herbeigeholten Abbildungen sind nicht geeignet, den Stoff in 
lehrreicher oder auch nur in anregender Form dem Leser vorzuführen. 
Um Mützels künstlerische Einstellungsfähigkeit zu charakterisieren, genügt der 
Abdruck des folgenden Zitates (Seite 67): . . . . „Von dem Regisseur der Revolutionsfeste, 
dem Maler Louis David, und seinen Schülern arrangiert begann auf öiTentlichen Ballen und 
Konzerten eine klassische Walpurgisnacht, wo die neuen Alcibiadesse, Brutusse, Gracchen, 
Phrynes, Lydien, Aspasien e tutti quanti in dem ,Statuen-Kostüm' sich auslebten. Es sind 
einige Kostümfetzen aus jener Maskerade übrig geblieben, aber sie sind trotz der kgstbai-gn 
Stoffe schlimmster unkünstlerischster Theaterplunder und haben, wie auch Davids von 
Denon gestochene alberne Kostüme beweisen, von ihren klassischen Vorbildern nicht den 
Hüchtigsten Abglanz." 
i Hans Mützel, "Knstürnltunde filr Sammler" (Bibliothek für Kunst- und Antiquitätensammler, Band 15), 
Berlin (Richard Carl Schmidt ä (20.), 191g, 206 Seiten mit x40 Abbildungen.
	        

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