MAK

Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / 1, 2 und 3)

hunderts weist," so ist 
doch für einen guten 
Teil ihrer Stämme der 
nomadische oder halb- 
nomadische Charakter 
der nördlichen Steppen- 
Völker vorauszusetzen, 
oder sie mußten diesen 
erhalten, sobald sie auf- 
brachen, um sich neue 
Lebensgebiete zu su- 
chen. Damit war dasZelt 
für sie die maßgebliche 
Wohnforrn und dieses 
wie der Teppich als 
Belag für den Steppen- 
Abb. g. Geschnitzter Stuhl (Khot) boden ein Anlaß zu tex" 
tiler Betätigung. Darin 
werden die Türkvölker in der Folge besonders für den Bereich der islamischen 
Kunst von größter Bedeutung. Zeltdecke und Teppich boten schon aus ihrer 
Technik heraus Gelegenheit zur Anwendung jener abstrakten, ornamentalen 
Richtung künstlerischen Schmuckes, die wir bereits in der Metallkunst kennen 
gelernt haben. Freilich sind uns davon keine Originale erhalten. Doch haben 
die neuen Forschungen im Tarimbecken, wo Türkvölker zuerst an einer aus 
ostasiatischen, indischen und westlichen Elementen zusammengesetzten 
Kultur Anteil nahmen, Denkmäler zutage gefördert, die uns nicht nur von 
der Existenz, sondern auch von der Art dieser Textilkunst Zeugnis geben. 
Dort sind die Räume der Höhlentempel vielfach noch in der Gestalt des 
Zeltes gebildet" und die Bemalung ihrer Wände läßt immer wieder mit 
größerer oder geringerer Deutlichkeit die wiederholende Musterung ihrer 
Stoffe oder den Überhang der Zeltdecke erkennen (Abb. 6)."? Auf Wand- 
gemälden ist ferner das Zelt selbst dargestellt. So erscheint es in Abbildung 7 
links in der bei innerasiatischen Stämmen noch heute gebräuchlichen Rund- 
forrn mit kuppelförmigern Überhang mit einer eigentümlichen Lappenranke 
überzogen, die auch die Musterung des Teppichs abgibt, auf dem der das 
Zelt dem Buddha darbringende Ritter kniet (vgl. auch Abb. 8). Freilich 
sind in der Darstellung auch indische und ostasiatische Elemente maßgebend, 
die sich in einem freieren organischen oder vegetabilen Zug und in einzelnen 
Motiven kundtun. Doch ist auch hier in der Bildung des Körperlichen 
(zum Beispiel an den Händen und in der Gelenksbildung des Knienden, 
 
"V Siehe Radloff, „Die alttilrkischen lnschriften der Mongolei", N.F., und Srrzygowsld, 1.:. 0., Seite 297 ff. 
i" Siehe M. A. Stein, "Ruins of desert Catay", II, Abb. x50. 
"u" Die Aufnahme wurde durch S. von Oldenburg gütigst zur Verfügung gestellt.
	        

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