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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 160)

geistigen Isolirschemel zu stellen. Heurigen Tags rechnet auch der Tiroler 
theilweise auf die Fremden, welche das Land zahlreicher als je besuchen 
und man muss es den Tirolern nachsagen, dass sie viel verständiger und 
weltkluger die Fremden behandeln, als ihre kärnthnerischen und oberöster- 
reichischen Nachbarn. Die Industrien, welche exportfähig sind, im eigent- 
lichen Sinne des Wortes aber, sind relativ sehr wenige. Wie schon früher 
erwähnt, ist es besonders das Holz- und Steinmateriale, das nach Aus- 
wärts geht. Was Tirol an Marmor für sich selbst bedarf, kommt kaum 
in Betracht. Die Station Waidbruck, welche an der Mündung des Gröde- 
nerthales liegt, ist eine der wenigen Stationen der Brennerbahn, in welcher 
der Frachtenverkehr wegen der Holzindustrie activ ist. Auch die Glasmalerei- 
Anstalt würde nie den Aufschwung genommen haben, wenn sie nur für 
den Bedarf des eigenen Landes gearbeitet hätte. Reiche Beziehungen mit 
dem Auslande pflegt auch die Wagner'sche Universitäts-Buchhandlung; 
sie steht zwar mit Kunst und Kunsrgewerben nicht in näherem Zusammen- 
hange, da sie aber auf der Ausstellung als Verlagsbuchhandlung erschienen 
ist, so ist es unmöglich sie zu ignoriren. Die Buchhandlung besteht seit 
der Mitte des 16. Jahrhunderts ohne alle Unterbrechung. Ihre Illustra- 
tionswerke aus dem r7. Jahrhundert gehören zu dem glänzendsren, was 
die Buchdruckerei in jener Zeit zu leisten im Stande war. Kein anderer 
österreichischerVerleger hat je solcheWerke geschaffen, wie es die Wagner- 
sche Universitäts-Buchhandlung in jener Zeit gethan hat. Die Holzschnitte 
sind freilich nicht Tiroler Arbeit; die Wagneüsche Buchhandlung stand 
behufs Illustration ihrer Verlagswerke mit den berühmtesten Xylographen 
von Augsburg und Nürnberg in regem Wechselverkehr. Heurigen Tags 
pflegt diese Buchhandlung vorzugsweise den Vertrieb von Werken auf dem 
Gebiete der Geschichte, der Rechtswissenschaft, der Nationalökoriomie etc. 
Der Verlag der Wagner'schen Buchhandlung besteht nicht blos aus Wer- 
ken von Gelehrten, die in Tirol ihren Aufenthalt haben, sondern auch 
ausländische Gelehrte pHegen rege Verbindung mit dieser Buchhandlung. 
I-Iätte die Wagnefsche Buchhandlung seit ihrem mehr als zoojährigen 
Bestande nur das gepflegt, was im engsten Sinne des Wortes tirolisch 
genannt werden kann, so würde sie nie zu der Bedeutung gelangt sein, 
die sie gegenwärtig hat. 
Die ganze gewerbliche, industrielle und geistige Bewegung in Tirol 
geht, wie seine Flüsse, nach allen Welttheilen. Bezeichnend ist es gewiss 
für die politische Richtung des Landes, dass auch Wälschtirol vorzugs- 
weise für den Bedarf des Nordens arbeitet. Ihre Industrieproductc nehmen 
meist ihren Weg nach Süddeutschland und Oesterreich; nach Italien wird 
nur ein minimaler Theil versendet. So streben in Tirol alle Interessen 
nach der Erhöhung der Exportfähigkeit der einheimischen Producte. Und 
trotzdem ist dort ein grosser Theil der Bevölkerung so engherzig, dass 
sie, was nicht von Tirol selbst ausgeht, als fremd gewissermassen perhor- 
resciren und nur sehr wenig Neigung verspüren sich mit Elementen zu
	        

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