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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 160)

zwar sehr bedeutende französische Kunstforscher, wie Labarte, Leon de 
Laborde, ferner Alexandre Brongniart wollten wegen des Kunstcharakters 
der Gefässe nichts von fremden Händen wissen. Doch die Fragen wer 
und wo blieben noch immer ungelöst, bis ein Zufall der merkwürdigsten 
Art den Vendeer Benjamin Fillun auf die Wahrscheinlich richtige Spur 
führte. Ein Freund zeigte ihm eine Miniaturmalerei, auf welcher ein Mann 
aus einem flaschenförmigen Thongefässe, einer sogenannten Gourde, trinkt. 
In dieser Gourde glaubte Fillon ein Henri-deux-Gefäss zu erkennen, und 
da auf demselben Blatte das Wappen einer altfranzösischen Familie, Gouf- 
fier, angebracht war, die Gouffier's aber in jenen Provinzen Frankreichs 
ansässig gewesen waren, in welchen Henri-deux zumeist aufgefunden 
worden ist, gerieth er auf die Vermuthung, dass die genannte Familie in 
Beziehung zu der geheimnissvollen Fabrication stehen könne. Sieht man 
im Musee Cluny, woselbst sich jene Miniatur jetzt befindet, dass in der 
Zeichnung die Flasche nur 18 Millimeter, noch nicht "f, Zoll misst, folg- 
lich das Ornament nur in ganz winzigen Andeutungen besteht, so weiss 
man nicht, soll man hier einen Fall ungewöhnlichen lnstincts annehmen 
oder lebhafter Phantasie, welche uns das sehen lässt, was wir zu sehen 
wünschen. Fillon durchforschte alle einstigen Besitzungen der Familie 
Goufiier, und fand zuletzt wirklich in dem Schlusse Oiron bei Thouars, 
etwa halbwegs zwischen Blois und la Rochelle, allerlei Anzeichen, welche 
ihm selbst als eben so viele untrügliche Beweise erscheinen, während wir 
Andern wenigstens nicht umhin können, es als wahrscheinlich anzusehen, 
dass daselbst die Henri-deux-Gcfässe gemacht werden seien. 
Die Gouffiefs, als Edclleute bereits im 13. Jahrhundert erwähnt, 
kamen empor durch Guillaume, den Günstling Karl's VII. und der Agnes 
Sorel, welcher Herr von Oiron wurde, Ludwig XII. erzog, und nahe daran, 
Minister zu werden, 1499 starb. Guillaume's Sohn Artus war Gouverneur, 
später Minister Franz l. und soll als Freund der Wissenschaften und 
Künste, aber auch der Feste und des Luxus, ferner als leidenschaftlicher 
Verehrer der Ritterromane, in den mannichfachsten Richtungen bestim- 
menden Einfluss auf Franz gehabt haben. Die Gunst des Königs übertrug 
sich nach Artus' Tode (i5i9) auf dessen gesammte Familie, die mit Aem- 
tern, Geschenken an Landbesitz und anderen Gunstbezeugungen über- 
schüttet wurde. Artus" Witwe Helene de Hangest de Genlis, auch nach 
einem der zahlreichen Titel ihres Gatten Frau von Boisy genannt, wurde 
Aya des Dauphin, nachmaligen Heinrich ll.; ihr Sohn Claude, der mit 
Franz I. bei Pavia in Gefangenschaft gerathen war, brachte es unter 
diesem Könige zum Grand-Ecuyer de France, stand auch bei Heinrich II. 
und Karl IX. in der höchsten Gunst und brachte sogar das Kunststück 
fertig, gleichzeitig mit der Königin Katherine von Medicis und mit Diana 
von Poitiers gut zu stehen. Sein grosser Reichthum war sprüchwörtlich 
und als Marquis von Carabas, eigentlich Caravaz, ist er durch das Märv
	        

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