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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 160)

chen vom gestiefelten Kater unsterblich gemacht worden. Er starb 1570 
oder 1572. 
Zur Zeit der Helene de Hangest (einer, wie es scheint, ausgezeich- 
neten Frau, deren von Fillon mitgetheilte Schriftzüge etwas festes, männ- 
liches haben) und ihres Sohnes Claude lebte nun in Oiron, wo sich die 
Dame während ihrer fast zwanzigjährigen Witwenschaft mit Vorliebe auf- 
hielt, ein gewisser Francois Cherpentier, welcher in einem Briefe Claude's 
vom Jahre 1529 als wpotier de Madame de Boisyu bezeichnet wird, und 
aus demselben Document erfahren wir, dass ihr Secretär und Bibliothekar 
Jehan Bernart zugleich die Aufsicht über den Brennofen hatte. Beide 
werden noch etwa zehn Jahre später erwähnt, als Frau v. Boisy bereits 
todt war; ebenso zwei Maler. 
Erwiesen ist also, dass auf dem Schlosse Oiron eine Reihe von 
Jahren hindurch Keramik getrieben worden ist. Salvetat hat auch fest- 
gestellt, dass emaillirte Fliesen in der Schlosscapelle zu Oiron von dem- 
selben, nur weniger gereinigten Thon gemacht sind wie die l-lenri-deux- 
Gefässe. Ferner kommen an solchen ausser den bereits erwähnten Mono- 
grammen u. dgl. verschiedene Wappen vor, deren Träger in der nächsten 
Nachbarschaft von Oiron sesshaft waren. Die Vorbilder mancher von den 
Verzierungen fand Fillon in architektonischen oder decorativen Einzel- 
heiten des Schlosses; und wenn er hierin auch mitunter zu weit zu gehen 
scheint, wenn er für Formen, welche damals sozusagen in der Luft lagen, 
in jedem Falle bestimmte Originale sucht, so hat er doch in der Annahme 
gewiss recht, dass der oder die Künstler die Motive für ihre Arbeiten 
überall hergenommen haben, wo sie Verwendbares erkannten"). In der 
berechtigten Freude über seine Entdeckung macht Fillon allerdings die 
Dame Helene de Hangest zur Heldin eines keramischen Romans. Von 
ihrem feinen künstlerischen Geschmacke sollen die Fabricate der angeb- 
lich ersten Periode Zeugnis: geben, nach ihrem Tode die nicht mehr ge- 
leiteten Künstler sich in Extravaganzen verloren haben u. dgl. m.; in einem 
weiblichen Profil, welches sich an einem Drageoir, einer Confcctschale, 
der ehemals SoltikofPschen Sammlung befindet, hat er nicht übel Lust, 
das Porträt der Dame zu erkennen. Das kann alles richtig sein, doch 
mangelt jeder Beweis 5). Dass die Gegenstände immer complicirter und 
dann auch zuweilen überladen wurden, erklärt sich gerade nach seiner 
Hypothese ganz natürlich. Mit Ausnahme Cherpentiefs, welchem wohl 
das Reintechnische, das Bereiten des Thons und das Brennen der Ge- 
fässe, zugeschrieben werden müsste, wären nur Dilettanten auf Schloss 
Oiron thätig gewesen, deren Experimentirlust wuchs, ohne dass ihr künst- 
lerisches Vermögen gleichen Schritt hielt; die nicht selten Zierrathe an- 
brachten, um Schäden zu betnänteln, die aber auch manchmal schleude- 
rischer gearbeitet haben mögen, weil für sie die Sache den Reiz verloren 
hatte und sie doch um Neues gedrängt wurden. Und wäre dieser Ge- 
sichtspunkt schon früher festgehalten worden, so würde das Fabrications-
	        

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