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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 161)

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nicht geleistet haben könne. Die Figuren machten es insbesondere sehr 
wahrscheinlich, dass dieselben häufig aus der Form in wesentlich anderer 
Gestalt hervorgegangen und dann erst gerichtet, gereckt und ausgerenkt 
worden sein möchten, mit mehr Rücksicht auf ihre Bestimmung als auf 
die Anatomie; ohne Zweifel sind die Körper, welche Henkel bilden, frei, 
aber nicht von Künstlerhand, modellirt und an die aus der Form gedrückten 
Köpfe (oder gar nur Gesichter) angefügt worden. Beachten wir ferner, wie 
oft ganz dieselben Satyr- und Terminusfiguren, Köpfchen und Masken sich 
in der verschiedensten Anwendung wiederholen, so haben wir Grund an- 
zunehmen, dass die Formen für dieselben von Originalen im Besitz des 
Verfertigers der Gefässe gewonnen, keineswegs aber von Modellen, welche 
eigens für diesen Zweck wären gearbeitet worden. Damit fällt auch die 
Nöthigung weg, den Abdrücken von Medaillen oder Amuleten, welche an 
einigen Gefässen vorkommen, eine bestimmte Beziehung auf das Gefäss 
oder den Verfertiger, oder den Besitzer beizulegen, was bisher viel Ver- 
legenheit bereitet hat"). Es fällt auch manches Bedenken weg, welches 
dadurch entstand, dass dies oder jenes Beiwerk nicht völlig zum Charakter 
der Zeit passen wollte, in welche man die Entstehung der Gefässe setzte. 
Wie früher erwähnt, drückten der oder die Verfertiger offenbar in Thon 
ab, was ihnen zur Hand war und geeignet erschien. 
Fassen wir das Besprochene kurz zusammen, so erhalten wir die 
folgenden Sätze: 
Die Oirongefässe sind ohne Anwendung der Drehscheibe oder der 
Stlickformen gebildet; die einzelnen Bestandtheile gingen aus Hohlformen 
hervor, als welche wir uns in den meisten Fällen gewöhnliches Küchen- 
geschirr denken können, oder wurden frei modellirt. Die Flächenornamente 
wurden mit Buchbinderfileten und mit Farbe auf die Thonschwarte ge- 
druckt, und dann erst aus dieser die für das Formen erforderlichen Stücke 
geschnitten. 
Der originelle Aufbau der complicirteren Gefässe verräth ein feines 
Forrngefühl, aber durchaus nicht eine künstlerische Schulung des Auges 
und der Hand. Und sowohl diese Art der Composition, als die äusserst 
mühsame, viel Geduld, peinliche Genauigkeit und geschickte Finger vor- 
aussetzende Mosaikarbeit aus Thon machen es sehr wahrscheinlich, dass 
wir die Oirongefässe als eine höchst merkwürdige Species weiblicher Hand- 
arbeit zu betrachten haben; ein Grund mehr, weshalb wir gegen die Hy- 
pothese nichts einzuwenden haben, nach welcher Frau Helene de Hangest- 
Genlis als die Urheberin derselben zu gelten habe. 
Den stricten Beweis, dass sie oder irgend Jemand sonst die vor- 
handenen Oirongefässe wirklich auf die geschilderte Art gemacht habe, 
können wir allerdings nicht führen. Dass es aber möglich ist, auf jene 
Art Gefässe herzustellen, welche mehr alsirgend eine frühere Imitation 
den wirklichen Charakter der Oirongefässe haben , das hat Hr. Macht 
durch praktische Versuche dargethan, durch welche allerdings neuerlich
	        

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