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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 161)

Terracotten am Roiehsrathsgehäudo. 
Das Comite für den Bau des Reichsrathsgebäudes hat - wie die 
Wiener Ztg. vorn 15. Januar 1. J. berichtet - in seiner am n. Januar 
unter dem Vorsitze des Fürsten Adolf Auersperg abgehaltenen Sitzung 
beschlossen, vdass Terracotta aus künstlerischen und ästhetischen Rück- 
sicbten zur ornamentalen und figuralen Ausschmückung der 
äusseren Fassade des Gebäudes nicht verwendet werden darf. Nur 
die Ausführung der Akroterien aus Terracotta wurde zugelassen. Zur 
Erweiterung des negativen Beschlusses durch gleichzeitige Festsetzung der 
Ausschmückung lag dermalen eine Veranlassung nicht vor." 
Ich habe in den "Mittheilungen des Oesterr. Museums" wiederholt 
darauf hingedeutet, welcher Missbrauch in Wien mit der Ausschmückung 
selbst monumentaler Gebäude durch Terracottaliguren und Terracotta- 
reliefs getrieben wird, und es wird daher allen Freunden der plastischen 
Kunst in Oesterreich zu grosser Befriedigung gereichen, dass bei dem Par- 
lamentshaus die Terracotten nur als Akroterien verwendet werden sollen. 
Bei einem Baue wie das Parlamentshaus muss ganz besonders mit 
kritischer Schärfe vorgegangen werden. Reichen die Geldmittel nicht aus, 
um Marmor oder ein besseres Material anderer Art zur Geltung zu brin- 
gen, so muss man eben warten, bis der Zeitpunkt kommt, in welchem 
die Geldmittel es gestatten werden, künstlerische Materialien anzuwenden. 
Wien hat bei mehreren öffentlichen Gebäuden viel zu schlechte Erfah- 
rungen gemacht, sowohl bei Terracottaßguren als bei Steinfiguren von 
minderer Steinart, als dass man nicht hinlänglich gewitzigt worden wäre. 
In meinem Berichte über die Wiener Plastik habe ich, wie ich glaube, 
mit voller Deutlichkeit die Grenzen bezeichnet, in welchen die Terracotta 
zu statuarischem Material zu verwenden ist. Für Nutzbauten gewöhn- 
lichster Art, für Ausschmückung von Gärten mag dieselbe ihre Be- 
rechtigung haben; für Monumentalbauten hingegen ist sie gänzlich un- 
berechtigt. 
Ebenso ist der Beschluss vollkommen gerechtfertigt, Marmor und 
keine schlechtere Steinart zur Verwendung zu bringen. Man sehe nur die 
Statuen am Portale der Akademie der bildenden Künste an, die jetzt 
schon ganz schwarz sind, um zu erkennen, wohin die Verwendung 
schlechteren Materiales führt. Mit der Verschlechterung des Materiales 
geht in der Regel die Verschlechterung der Arbeit Hand in Hand, die 
geringere Sorgfalt in der Composition und in der Detailausführung, dann 
die Protection von Künstlern, die mehr eine fabriksmässige als künstle- 
rische Leistung im Auge haben. Wer die Hebung der Plastik in Wien 
wünscht, der muss dahin zu wirken suchen, dass nur die tüchtigen und 
leistungsfähigen Künstler zu Monumentalarbeiten berufen werden, und zwar
	        

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