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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 161)

Litoraturbaricht. 
Sticltmusterblicher für Stramin- und Leinenstickerei. 
l. Album mssischer und kleinrussischer Zeichnungen von A. Jveenko. Petersburg, 
1875. (15 Mk.) 
ll. Südrussische Nationalornamente, gesammelt und herausgegeben von Pelagia Le- 
kolevna Litvinova. 1. Lieferung. Kiew, 1878. (16 Mk.) 
lll. Felix Lay: Ornamente südslavischer Haus- und Kunstindustrie. Agram. 7 Liefe- 
rungen ä 15 fl. ' 
lV. Ornamente der Hausindustrie Ungarns, Text von Dr. Carl v. Pulszky, gezeichnet 
von Friedr. Fischbach. Budapest, 1879. (72 Mk.) 
V. Julius Lessing: Muster altdeutscher Leinenstickerei, gesammelt von -. Berlin, 
bei Fr. Lipperheide, 1878. (3 Mk.) 
Vl. H. A. Versteyl: Die kirchliche Leinwandstickerei. Musterblatter im romanischen 
und gothischen Style. Düsseldorf, L. Schrann, 1878. (i: Liefg. 4 Mk.) 
Bei dem wachsenden Interesse, welches die Damenwelt und die Zeichner Wiens 
für Stramin- und Leinenstickerei an den Tag legen, halten wir es für angemessen, die 
Aufmerksamkeit der Leser auf die neuen Publicationen in dieser Richtung zu lenken. - 
Das erstgenannte Werk von A. Jveenko enthält a5 chromolithographirte Tafeln, eine 
Reihe von ganz interessanten russischen und kleinrussischen Mustern, die originell und 
für Weberei und für Leinenstickerei verwendbar sind. Ein beschreibender Text in russi- 
scher Sprache gibt Aufschlüsse über die Muster. Der Preis, 4 Rubel, ist als ein massiger 
zu bezeichnen. 
Umfassender ist das Werk der Frau Pelagia Lekolevna Litvinova, Südrus- 
sische Nationalmuster, angelegt. Die erste vorliegende Lieferungxnthalt südrussische Na- 
tionalornamente aus dem Gouvernement Cernigov und dem Kreis Gluchov. Auch dieses 
Werk enthält eine eingehende Beschreibung der Sachen in systematischer Reihe [für 
Stramin- und Leinenstickerei, und bringt ausserdem einige Tafeln der in Russland be- 
liebten, bemalten Ostereier. Der Preis dieses Werkes, die Lieferung zu zu Tafeln, ist 
gleichfalls ein geringer. 
Reicher ausgestattet, daher auch kostbarer, ist das Werk von Herrn Felix Lay in 
Essegg. Es liegen gegenwärtig sieben Lieferungen vor, welche aus der Lithographie und 
Druckanstalt des Jacob Stockinger und A. Norsack, Wicn, hervorgegangen sind. Da der 
begleitende Text auch in deutscher Sprache erschienen ist, so sind wir über die Fund- 
orte und Provenienz der einzelnen Muster, die in Originalgrosse gegeben sind, orientirt. 
Unter dem Titel i-Ornamente der Hausindustrie Ungarns- ist soeben ein ähnliches 
Werk erschienen, das vom ungaiischen Nationalmuseum herausgegeben, von Fr. Fisch- 
bach gezeichnet und von Dr. C. v. Pulszky in Kurze erläutert ist. Die Tafeln sind 
sammtlich in Farbendruck ausgeführt, die Muster sehr interessant, zum cssten Theile 
Wiedergabe von Ornamenten ungarischer Hausindustrie auf der Wiener eltausstellung 
1873. In der Erklärung der Tafeln sind in ungarischer, deutscher und französischer _ 
Sprache die wünschenswerthen Notizen über Herkunft und Technik der veröffentlichten 
Gegenstände mitgetheilt. Bei der sonstigen Trefflichkeit der Publication ist nur der hohe 
Preis derselben bedauerlich, weil er die Anschaifung des XVerlces für Schulen fast un- 
möglich macht. 
Ein ausserordentlich brauchbares Werk sind die hMuster der altdeutschen Leinen- 
stickerei- von Director Julius Lessing. Das Werk enthält auf 44 Tafeln 242 Muster, 
welche sämmlich vorhandenen Originalarbeiten des 15. und 16. Jahrhunderts entlehnt 
sind. Auch sind darin einige Alphabete enthalten, Sprüche für gestickte Tischdecken, und 
da der Preis ein niedriger ist, so wird dieses Werk - und zwar mit Recht - in Schulen 
und Familien leicht Eingang finden. 
Pfarrer H. A. Versteyl in Schanz (Kempen) hat den lobenswerthen Gedanken 
gefasst, Musterblatter für kirchliche Leinwandstickerei herauszugeben, welche wohl noch 
vielfach Verwendung finden Werden. Sie sind im romanischen und gothischen Style ent- 
worfen, jener der Renaissance ist hier nicht vertreten; da aber die meisten katholischen 
Kirchen in diesem Style gebaut sind und der textile Schmuck mit dem Styl der Kirche 
harmoniren muss, so sollte künftighin der Renaissancestyl nicht ausser Acht gelassen 
werden. Herr Versteyl gibt eine ausführliche Einleitung und polemisirt gegen Kreuzstich 
(und die sog. Holbeintechnik) als für kirchliche Zwecke nicht passend. [Zur Richtigstellung 
der Polemik wäre zu bemerken, dass wenn der Kreuzstich für eine bestimmte Zeichnung 
assen wurde , es ganz und gar nicht abzusehen Ware, warum er nicht auch verwendet 
werden sollte. Nicht ob eine Sticharx kirchlich oder nicht kirchlich, sondern ob sie für
	        

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