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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 161)

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hervorragendsten bereits mittheilen zu können. Zu diesen gehören in 
erster Linie die altfranzösischen Renaissancemöbel im Style des I6. Jahr- 
hunderts; sie belinden sich im Saale XI und sind bereits, um sie Tisch- 
lern und Zeichnern zugänglicher zu machen, photographirt und theilweise 
in Gyps (siehe den Verbindungsgang) abgegossen worden. Ein Gobelin 
von Henri Braquenie hat ebenfalls im Saale Xl Platz gefunden. Von 
Emails sind Arbeiten von Charles-Jean und L. Dalpayrat, Glasobjecte 
der Firma Baccarat, Thonwaaren und Fayencen von Houry, Laroche 
(Imitationen von gallischer Terra sigillata), Celliere, Doulton; Schmuck- 
gegenstände in Gold und Silber im altnordischen Style von Christensen, 
eine Metallschüssel von Singer (England), der Barbediennäsche galvano- 
plastische Abguss der Porta Sansovinds im Presbyterium der Marcus- 
kirche in Venedig, eine Elfenbeintasse mit Metalleinlagen von Giroux, 
einige orientalische Teppiche und endlich sieben japanische Objecte, 
welche die Sammlungen des Museums ergänzen. Sämmtliche hier ange- 
führte Objecte sind den Sammlungen bereits eingereiht und ausgestellt. 
Da die Durchführung der Schenkungen des lästern-ungarischen Coinitefs 
in die Hände des hochverdienten Curators Grafen Edmund Zichy ge- 
legt wurde, so ist das Museum demselben um so mehr zu Danke ver- 
pflichtet, als Erwerbungen ähnlicher Art inmitten einer Weltausstellung 
einen hohen Grad von Opferwilligkeit und l-lingebung von Seite des- 
jenigen voraussetzen, der sich einer solchen Aufgabe unterzieht. - Bei 
diesem Anlasse müssen wir dankend mehrerer Mitglieder desselben Co- 
mitäs, des Grafen Mnizek in Paris, welcher dem Museum emaillirte 
Metallgegenstände der Firma Maublanc in Paris geschenkt hat, des Grafen 
Prokesch-Osten und in erster Linie des Barons Hirsch-Gereuth 
gedenken; letzterem hat das Curatorium des Museums speciell seinen be- 
sonderen Dank votirt. 
An weiteren Geschenken sind dem Museum im Laufe des Monates 
Jänner zugekommen: Von Seite des h. Ministeriums für Cultus und 
Unterricht drei Tableaux mit den Wappen sämmtlicher österreichischen 
Kronländer, und von den Glasfabrikanten Herren Schreiberöt Neffen 
und Herrn Reich mehrere Stücke aus ihren Collectionen von der Weih- 
nachts-Ausstellung. 
(Besuch des Museums.) Die Sammlungen des Museums wurden im Monate 
Januar von 17.621, die Bibliothek von 2948 und die Vorlesungen von 134i Per- 
sonen besucht. 
Der Hanpta-ltar der Votlvkirohe, welcher seiner Vollendung entgegengeht, wird 
in der Geschichte der Metallotechnik in Oesterreich einen wichtigen Platz einnehmen. 
Bekanntlich hatte ein grosses französisches Haus sich darum beworben, dieses Werk her- 
zustellen, und ein einzelnes inländisches Etablissement wurde kaum im Stande gewesen 
sein, iene Concurrenz aus dem Felde zu schlagen. Dafür vereinigten sich mehrere W'iener 
Bronzefabrikanten, welche die Arbeit folgendermassen unter sich vertheilten: Den 3'], 
Klafter hohen Altaraufsatz liefern Brix und Anders, die Figuren des segnenden Hei- 
lands und der vier ihn umgebenden Engel Karl Haas, die Leuchter D. Hollenbach; 
die Emailarbeit übernahm J. Chadt - also lauter Künstler und Industrielle, welche ihre 
Leistungsfähigkeit bereits vielfältig erprobt haben. Besondere Beachtung verdient aber, 
dass dabei - unseres YVissens zum ersten Male in Oesterreich - die Galvanoplastik zur 
Losung einer monumentalen Aufgabe herangezogen worden ist. In Frankreich ist das 
nichts Neues. Die galvanoplastische Reproduction ermöglicht dort nicht nur, figurale 
Bronzen zu Preisen zu liefern, welche auch dem weniger bemittelten Kunstfreunde er- 
reichbar bleiben, sondern sie tritt auch da ein, wo ein gegosscnes Werk wegen des 
grossen Gewichts nicht zulässig wäre. Die Preis- und die Gewichtsunterschiede sind 
eben sehr erheblich. Die von Josef Gasser modellirte Christusgestalt für den Altar der 
Votivkirchc misst x'7t Meter und ist in neun Stücken galvanoplastisch geformt werden, 
welche zur Erhöhung der Festigkeit untereinander verschraubt werden. Bei einer durch-
	        

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