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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 161)

von Interesse sind; wir greifen sie nur aus der Mannigfaltigkeit der aus- 
gestellten Gegenstände heraus. Von Meyer's Söhnen z. B. ist die Silber- 
decoration einer Tafel in Aufsatz, Schalen, Candelabem ausgestellt, wohl 
geeignet, Aufmerksamkeit zu erregen und Beifall zu finden. Uebrigens 
trägt unter den Silberarbeiten die grosse Schmuckcassette von J aune r, 
Eigenthum Sr. Majestät des Kaisers, den Preis davon, ein Werk, das sich 
mit dem Reichthume von Figuren und Ornamenten, mit der Sorgfalt der 
Arbeit, mit seiner ganzen Wirkung in Verbindung von Stein und Silber 
den Cabinetsstlicken des 16. und x7. Jahrhunderts würdig anreiht. 
Wie die alten guten Zeiten wieder lebendig werden, das zeigen auch 
andere Zweige der Industrie auf unserer Ausstellung. Aus diesem Ge- 
sichtspunkte besonders sei die grosse Zahl kleinerer Glasgemälde erwähnt, 
welche die Anstalt von Neuh aus er in Innsbruck uns gesendet hat, eine 
Anstalt, welche in Strebsamkeit, richtiger Auffassung des Bedürfnisses und 
künstlerischem Geschmacke allen Concurrenten vorangeht. Es sind meistens 
kleinere Bilder mit figürlichen Gegenständen, ähnlich den Holzschnitten 
oder Kupferstichen der Kleinmeister, wie man sie im 16. Jahrhunderte 
in die Fenster der Wohnungen einzusetzen pflegte, dem Gemache damit 
eine farbige, poetisch anheimelnde Zierde zu geben. Die Anstalt von Neu- 
hauser geht mit diesen Bildern von dem gleichen Gedanken aus und 
kommt zum gelungenen Ziele; diese liebenswürdigen, glänzenden Bild- 
chen, seien sie nun mit Umrahmung oder in der Umgebung blinkender 
Butzenscheiben, erfüllen vollkommen ihren Zweck. Von besonders deco- 
rativem Reize und originell in seiner technischen Erfindung ist darunter 
jenes grössere Fenster, welches einen Topf mit einem Orangenbaume 
darstellt; nichts kann einfacher sein, denn es ist ein reines Mosaikbild 
ohne Malerei, nichts aber auch wirkungsvoller. 
Ein anderer Zweig der Kunstindustrie, der uns die alte Zeit, die 
alte farbige Gemüthlichkeit wieder lebendig macht, sind die Fayencebfen, 
die diesmal überraschend reich und gut auf der Weihnachts-"Ausstellung 
erschienen sind. Gott sei Dank, dass endlich einmal die Stunde der weissen 
Kachelöfen zu schlagen scheint! Wir sind ihrer herzlich satt. Wir haben 
vier Aussteller farbiger Oefen: Wudia in Graz, De Cente in Wiener- 
Neustadt, Hartmuth und Ginzelmayer in Wien. Ohne einem von 
ihnen den Preis zu geben, heissen wir alle willkommen! Unterstützt von 
Künstlern wie Storck, Theyer, Ortwein, Petschnigg haben sie treffliche 
Arbeiten gebracht, trefflich in Farbe, Glasur wie Construction. Camin 
und Ofen von Ginzelmayer zeigen zudem in ihrer reichen und soliden 
Anwendung von Gold eine Neuerung des unermüdlichen, erlindungsreichen 
Kosch, dessen Spuren wir vielfach auf der Weihnachts-Aussteliung be- 
gegnen. Wir wollen nur an die Gold- und Silberdecoration der verschie- 
denen eisernen Oefen von Geburth, Heim, Holdorff und Brückner 
erinnern, Oefen, die allerdings in ihrem künstlerischen Baue noch nicht 
das Richtige getroffen haben. so wie an die Fayencegemälde von Josef 
3.
	        

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