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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 161)

Bauer, die an Saft und Kraft nichts mehr zu wünschen übrig lassen. 
Welche reiche Anwendung gestattet diese, jetzt auf ein so einfaches Ver- 
fahren zurückgeflihrte Kunst, sobald sie nur erst einmal sich zur Geltung 
durchgearbeitet hat! 
Weniger Neues und Bemerkenswerthes bietet das Porcellan. Wir be- 
gegnen mit Radler öt Pilz, Zasche, Falb und Jäcltel der reichen 
Art von Alt-Wien in immer grösserer Ausdehnung, aber es ist ihre Art, 
in die Breite zu wachsen, nicht sich zu verändern. Ebenso hatten wir 
niemals eine so reiche Ausstellung jenes Porcellans, das unter dem Namen 
Fischer von Herend weltberühmt geworden ist. Auch dieses rhut gut, 
seine mannigfachen Arten in so guter Ausführung wie nur möglich zu 
behaupten. Wahliss nimmt wieder mit ausgezeichneten Gemälden den 
modernen Standpunkt ein. Sonst haben wir aus dem Uebrigen nur das 
Tafelgeschirr mit blauer Decoration von Knoll hervorzuheben. Ein Ser- 
vice dieser Art zeigt sich zum ersten Male wieder in Oesterreich in dieser 
schwierigen und dankbaren Technik gelungen, und es ist besonders er- 
freulich, dass es eine neue Zeichnung hat und nicht jenes ewige, an sich 
werthlose Zwiebelmuster von Meissen, das allerdings gute decorative Wir- 
kung besitzt, aber allgemach langweilig zu werden beginnt, da man es 
überall trifft, als ob es nichts Anderes geben könnte. 
Aehnlich wie mit dem Porcellan ist es mit dem Glase, vertreten 
durch Schreiber und Neffen, S. Reich und H. Ullrich. Hübsches 
farbiges Glas, aber mehr im französischen Geschmacke, bietet Reich; neu 
flir Oesterreich sind die gepressten Gläser von Schreiber, welche bis dahin 
fast ein Privilegium Englands waren, so wie eine populäre Anwendung 
antiker Glasarten durch denselben Fabrikanten. Das höhere Genre des 
Kunstglases ist ferngeblieben; die Besucher des Museums werden aber 
für diesen Mangel entschädigt werden, da im neuen Jahre Lobmeyr 
seine ganze Exposition, nur noch mit Neuem vermehrt und bereichert, 
im Museum auszustellen gedenkt. 
Eine lehrreiche Erscheinung auf der Weihnachts-Ausstellung ist 
diesmal die Stickerei, welche einen ziemlich breiten Raum einnimmt. Es 
ist die höhere Fachschule für Stickerei, welche den Eindruck beherrscht, 
aber eigentlich nicht sie selber, da sie als solche nicht ausgestellt hat, 
sondern es sind die freien Arbeiten gegenwärtiger oder ehemaliger Schil- 
lerinnen, oder solche Arbeiten, die nach ihrem Geiste und ihren Manieren 
entstanden sind, welche unser Interesse vorragend in Anspruch nehmen. 
Sie lehren uns, dass die neuen Arten tiefer und tiefer in das Publicum 
eindringen, dass sie sich zugleich des Beifalles der arbeitenden Hände und 
der schau- und kauflustigen Augen erfreuen. Und was uns dabei merk- 
würdig erscheint, ist der Umstand, dass sie ihren Weg nicht, wie es sonst 
mit diesen Neuerungen gewöhnlich ist, durch die Industrie in das Publicum 
nehmen, sondern umgekehrt erst in das Haus dringen und von diesem 
aus auch die Industrie zu ihrem Glauben zwingen werden. Bis jetzt ist
	        

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