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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 161)

das noch sehr wenig geschehen; wenigstens auf unserer diesjährigen Aus- 
stellung - ich sehe dabei von Giani ab, der seit Alters seine eigene 
künstlerische Richtung verfolgt -- ist so gut wie gar nichts davon zu 
bemerken, kaum einige Spuren geben die Andeutung. Die Weißsticke- 
reien zumal, diejenigen nämlich der Industrie, nicht der Dilettanten, 
bewegen sich auf den hergebrachten Pfaden, bei denen man höchstens 
an der Sauberkeit und Genauigkeit der Ausführung (wie Manches bei 
Weldler und Budle) sich erfreuen kann. Nur einige Arbeiten der 
Confectionsartikel gehen in die Farbe, aber nicht gerade mit besonderem 
Glücke. Einige hübsche und gefällige Verzierungen in Blau und Roth 
zeigen die Borten von Meinl"s Erben, während wir mit den blassen 
Piquedecken dieser Fabrik keine Sympathie empfinden, und um so we- 
niger, je mehr sie sich mit Figuren oder grossgeschwungenen Ornamenten 
schmücken. Die decorative Stickerei und Weberei für die Wohnzimmer 
ist dieser Ausstattung des Schlafzimmers voraufgekommen, und in dieser 
Beziehung sei noch einmal der treiflichen Collection von Stickereien, von 
Sitzmöbeln und Decorationsstoifen gedacht, welche Giani im Vereine mit 
Fix ausgestellt hat. Eine ähnliche, noch reichere Collection wird das 
Museum im Anfange des nächsten Jahres seinen Besuchern vorführen, 
wenn die Pariser Exposition von Ph. Haas und Söhne in gleicher Fülle 
und Grossartigkeit zur Aufstellung gelangen wird, gleich jener des Herrn 
Lobmeyr. Andere Collectionen, wie die der Bronzegesellschaft, die von 
Leopold Groner, werden sich anschliessen. 
Was man den Arbeiten von Giani und Fix nachrühmen kann: ein 
richtiges Stylgefühl und jener schwer zu beschreibende Reiz, der dem 
Mobiliar des r6. und 17. Jahrhunderts zu eigen ist, das gilt auch von 
einer guten Anzahl anderer Möbel auf der Weihnachts-Ausstellung. Dieser 
lndustriezweig ist besonders reich vertreten. Allerdings ist keineswegs 
Alles tadelfrei, und man stösst immer und immer noch auf die Meinung, 
dass mit einer guten und sauberen oder schwierigen Arbeit Alles gethan, 
und Construction, Zeichnung, gefällige Wirkung überflüssige Dinge seien. 
Anderes, so z. B. verschiedene Credenzen aus Eichenholz, leiden (am 
Zuviel, an Ueberladung und Massenhaftigkeit; sie sind Gebäude. nicht 
Möbel. Daneben aber wird man mehr als eine Arbeit mit Vergnügen 
betrachten, so die Möbelstücke von Irmler, die sich stets gleich bleiben 
an Güte, die Möbel von Klöpfer, von Albert, von Ludwig, von 
Konzert in Innsbruck, vor Allem aber das reizende Buffet von Leime r, 
das elegante Form mit der Liebenswürdigkeit der Vorzeit vereinigt. Der 
gleichen Richtung in gleicher Vortrelflichkeit gehören die geschnitzten 
Rahmen von Chr. Ullrich an, welche mit entsprechendem Sitzmobiliar 
von Leist in einem besonderen Zimmer in höchst anziehender Weise 
ausgestellt sind. Ein Blick auf diese Rahmen muss auch dem Ungläu- 
bigsten klar machen, auf wie verkehrten Wegen unsere heutigen, so an- 
spruchsvollen Goldrahmen sich beGnden.
	        

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