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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 164)

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von denen, die mit geschwellten Hoffnungen eine höhere Laufbahn be- 
ginnen, kommt zum Ziel; er entsagt, auf dem Wege schon getäuscht in 
seinen Holfnungen, er wird Handelstreibender,'Subalternbeamter, Schreiber, 
und was weiss ich, nur eins nicht mehr: Handwerker! 
uWOhln soll, wohin wird aber dieser Anwachs geistiger Arbeitskräfte 
auf Kosten der im materiellen Sinne producirenden führen? Zum Prole- 
tariat hier, zum Proletariat da, zum wirthschaftlichen Ruin, dem wir mit 
Riesenschritten zueilen. 
wUnd dieser Zustand, ich wiederhole es, er ist kein internationaler 
er ist specifisch unserer. Zwar mögen wir, die heute noch lebende Gene- 
ration, das Chaos vielleicht nicht erleben, und wer über seine eigene arm- 
selige Glückseligkeit nicht hinaussieht, der möge beruhigt über meine 
Warnung hinweggehen. 
"Aber die weitsichtigeren Patrioten, jene Männer, die in der Regie- 
rung und in den Landesvertretungen sitzen, sie sollten meine Warnung 
einer Prüfung unterziehen, und handeln, wenn die Sache so liegt, wie 
ich sie schildere. Man muss dem ausgesogenen Gewerbestande neue Säfte 
zuführen, und zwar ohne Zögern und von allen Seiten. Das wird Opfer 
kosten, grosse Opfer, aber sie müssen gebracht werden. Es ist eine Schuld, 
die getilgt werden muss, auf dass man sich sichere einen neuen, willigen 
und vermögenden Gläubiger in der Zeit der NOthm 
Es ist dies das Votum eines gewiegten Schulmannes, der die Schul- 
zustände, die industriellen und sozialen Verhältnisse des deutschen Reiches 
nicht minder genau kennt als die österreichischen und der selbst aus dem 
Gewerbeleben hervorgegangen ist, und zwar aus einer Branche, die mir 
speciell etwas ferne liegt, nämlich jener des Maschinenwesens, der aber 
für die Schäden im gesammten Gewerbeleben oEenen Sinn hat und vor 
Allem kein Freund des Systems der Beschönigungen und der Aufrecht- 
haltung des status quo um jeden Preis ist. Auch im deutschen Reiche 
bereitet sich ein Umschwung auf demselben Gebiete vor. Es mag ja sein, 
dass die energische Hand des Reichskanzlers in manchen Angelegenheiten 
zu gewaltthätig einzugreifen pflegt, und dass auch in der Behandlung 
dieser Frage durch die preussische Regierung dasselbe beobachtet werden 
kann; aber Zeit ist es jedenfalls, dass überhaupt etwas geschieht. Im 
deutschen Reiche wird gegenwärtig der Versuch gemacht, das Innungs- 
wesen wieder zu beleben, und es hat gerechtes und grosses Aufsehen 
erregt, dass von municipalen Körperschaften die Regeneration des Innungs- 
wesens angestrebt wurde. Von ganz besonderer Bedeutung für diese Frage 
ist eine Verfügung des prenssischen Ministeriums für Handel, Gewerbe 
und öffentliche Arbeiten in Berlin vom 4. Jänner t879'), mittelst welcher 
den königlichen Regierungen und Landdrosteien, sowie dem königlichen 
Polizeipräsidium in Berlin die Förderung der Neubildung von Innungen 
') Siehe die Berliner nßaugewerkszeitungu, Jahrgang 187g, Nr. 7.
	        

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