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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 164)

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wissen wie und warum. In diesem Quadrat kann man aber auch die 
Diagonale perspectivisch ziehen, da ihre Endpunkte vorhanden sind, und mit 
Hilfe dieser Diagonale auf einfache Art einen beliebigen Punkt dieser 
Quadratfläche auch perspectivisch finden. Denkt man sich dieses Fuss- 
bodenquadrat mit seinem ganzen Constructionsinhalt senkrecht aufgestellt, 
so kann man auch jede Höhendimension perspectivisch auftragen und 
somit schliesslich jeden beliebigen Punkt des Raumes perspectivisch finden. 
Hiedurch ist denn ein Mittel gegeben Linien, Flächen und Körper allmälig 
zusammenzubauen. Es ist dieselbe Construction, welche auch in Dürer's 
Perspective noch zuerst behandelt wird und zwar unter so auffälliger Bei- 
behaltung von reinen Zufälligkeiten der Anordnung in der Zeichnung, 
dass man sich der Meinung nicht erwehren kann, Dürer müsse unmit- 
telbar oder mittelbar die Arbeiten Pietros gekannt haben. 
So ungelenk diese Perspectivmethode nun auch ist, so staunens- 
werth sind die Leistungen, welche P. d. Franceschi mit einem so um- 
ständlichen Verfahren zu Stande brachte. 
Von der perspectivischen Construction der regulären Vielecke im 
Grundriss in verschiedenen Stellungen gelangt er bis zur richtigen Auf- 
tragung eines Gebäudegrundrisses und der Perspective regelmässiger Körper. 
Die Perspective der Körper nach der eben angegebenen primitiven 
Methode umfasst den zweiten Theil des ganzen Werkes. 
Zuerst werden Würfel und Prismen perspectivisch construirt. Dann 
folgt ein sechseckiger Brunnen auf zwei Stufenlagen, ein Säulenpostament 
in Frontalperspective, ein eben solches in schiefer Stellung, ein liegender 
achteckiger Pfeiler, und drei bedeutendere Objecte, welche besondere Be- 
sprechung verdienen, nämlich: ein zweistöckiges Haus, an welchem selbst 
die so oft verfehlten Rundbogen in Verkürzung als Ellipsen, die Eintheilung 
einer verschwindenden Fensterreihe und die Gehrungen der Gesimse tadellos 
richtig construirt sind; ferner ein achteckiger Thurm mit Gesims und 
zwei kreisrunden Fenstern, eines frontal, eines verschwindend, jedoch beide 
sammt Mauerdicke vollkommen richtig; zuletzt das schon erwähnte Kreuz- 
gewölbe, das bis in neueste Werke unverändert übergegangen. 
Die meiste Bewunderung verdient jedoch der dritte Theil des Werkes. 
Dieser umfasst die Lösung der complicirtesten Aufgaben und zwar nach 
neuer Methode, an deren Erfindung möglicherweise P. d. Franceschi 
auch den grössten Antheil haben mochte. Diese Methode basirt auf der 
von L. B. Alberti aufgestellten Glastafeltheorie, welche in seinen schon 
1435 vollendeten drei Büchern über Malerei aufgestellt wurde und zwar 
mit dem geradezu pathetisch zur Schau getragenem Bewusstsein einer neuen 
und bedeutenden Erfindung, welches umsomehr deutlich hervortritt, als 
Alberti die bereits bekannten geometrischen Lehrsätze eigens als von 
den Mathematikern entlehnt verführt. Den Grundgedanken der vorliegen- 
den neuen Construction könnte also, wie es auch in hohem Grade wahr- 
scheinlich, P. d. Franceschi fertig vorgefunden haben, wobei aber 
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