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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 165)

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mit gar keinen Mehrkosten verbunden sein, und sollte unternommen 
werdenm 
Ganz besonders dankbar aber muss man Herrn Wilda sein, wenn 
er es oiTen ausspricht: vdass der Satz, die grössere allgemeine Bildung 
mache den Arbeiter zufriedener und erwerbsfähiger, unrichtig ist; die 
Erfahrungen, die man in Deutschland nach länger als fünfzigjährigem 
Bestehen der Volksschulen gesammelt, widerlegen ihn gründlich; vielmehr 
ist die Umkehrung richtig; die grössere Erwerbsfähigkeit des Arbeiters 
macht ihn zufriedener und bildungsbedürftiger für sich oder wenigstens 
für seine Kinder. Hüten wir uns, dass wir unserem Ideal der Volksbildung 
nicht unseren Nationalwohlstand opfern, mit dessen Niedergange uns dann 
die Mittel für jede ideale Schöpfung fehlen würdenm 
Doch die Frage der Reform des Volksschulgesetzes als solches im 
Detail zu behandeln, ist nicht meine Aufgabe; mir liegt in erster Linie 
das Gewerbe am Herzen, sowie die kunstgewerblichen Fachschulen. Die 
Volksschule ist von mir nur deshalb in den Bereich der Discussion ge- 
zogen worden, um zu zeigen, dass es nöthig ist, den Zusammenhang der 
Volksschuleinrichtungen mit den Entwickelungsbedingungen der Kunst- 
gewerbe und der kunstgewerblichen Fachschulen klarzustellen und ins- 
besondere darauf hinzudeuten, dass die kunstgewerblichen Fachschulen 
eine breitere Basis besitzen müssen, als es gegenwärtig der Fall ist. 
Herr Director Wilda vertritt mit grosser Lebhaftigkeit das System 
der Lehrwerkstätte, und zwar der mit ausgiebigem theoretischen Unter- 
richte verbundenen, die Schulbildung begleitenden und ergänzenden Lehr- 
werkstätte. Er gibt diesem System unbedingt den Vorzug vor der Werk- 
stattlehre. In einem Theil wird wohl Jedermann Herrn Wilda zustimmen, 
nämlich dass es nöthig ist, das System der Lehrwerkstätte auszubreiten, 
und dass es insbesondere sich dringend empiiehlt, mit Gewerbeschulen 
und verwandten Instituten Lehrwerkstätten direct in Verbindung zu bringen. 
Hatte doch schon das Unterrichtsministerium bei den Lehrerseminarien 
sich veranlasst gefunden, eine Art schüchternen Versuch mit einer Lehr- 
Werkstätte zu projectiren, weil man deutlich gesehen hat, dass es für die 
künftigen Volksschullehrer, die ja sehr viel mit Lehrlingen zu thun haben, 
nöthig ist, gewisse gewerbliche Fertigkeiten zu erlernen. Dagegen bin ich 
keineswegs der Meinung mancher Vertreter des gewerblichen Bildungs- 
wesens, welche glauben, es könnten die Lehrwerkstätten jemals die eigent- 
liche Werkstatt als Unterrichtsstätte verdrängen. Ich bin umgekehrt der 
Ueberzeugung, dass auf die Wiederherstellung der Werkstatt- 
lehre das grösste Gewicht gelegt werden müsse; es ist dies dasjenige, 
was in der Natur der Dinge liegt, was in den Traditionen des Gewerbe- 
lebens begründet und mit den Gewohnheiten des Gewerbestandes untrenn- 
bar verknüpft ist. Allerdings, wie das heutige Gewerbewesen organisirt ist, 
wo Jeder ein Gewerbe betreiben kann, er mag dazu berufen sein oder 
nicht, er mag dafür geschult sein oder nicht, er mag auf dem betreifen-
	        

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