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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 165)

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das Volk zu einer Handelsmesse sich versammelte, auf der nur Stoffe und 
Rohseide die gangbaren Artikel bildeten, und von denen die letztere 
fast ausschliesslich nach Fars und Chüzistän verhandelt wurde i"). 
Achten wir nun auf das den ebengenannten Ländern in der geschü- 
derten Weise zugeführte Rohmaterial, so haben wir dasselbe, soweit 
es zur Atlasfabrication diente, in's Auge zu fassen. 
Es ist die Roh- oder Ganzseide. 
Ibrisam, ibresam, ibrisum, syrisch: abräschom, abrischüm"), vom 
persischen abräscham, abräschum, ufräscham u. s. w. Unter ibrisam 
verstehen die arabischen Quellen entweder a) gehaspelte (das eigentliche 
Rohmaterial) oder b) gedrehte, gezwirnte Ganzseide. Im letzteren Falle, 
je nachdem sie lockerer oder fester zum Aufzug (arab. sadä, pers. tär) 
oder Einschlag (arab. lühme, pers. püd) gezwimt war, hat man den 
Fäden verschiedene, zum Theil nach dem Ort ihrer Herkunft gewählte, 
Bezeichnungen gegeben. So leitet sich beispielsweise nach meinem Dafür- 
halten die allbekannte heutige Fadenbenennung organzino, organxin von 
dem Seidenmarkt Urgendsch in Chiwa her, welcher im Mittelalter in 
Europa unter dem Namen Organci geläufig war. Dass in Mittelasien, 
dem alten Sererlande, zumeist die Gattungen gezwirnter Seide in Handel 
kamen, beweist eben das osmanisch-eagataische ipek, jipek : ibrisam; 
denn die Wurzel ip, jip bedeutet eigentlich nur ein Gewinde, von ij, 
iv (drehen, winden) 99). Es scheint daher nothwendig hier zu erwähnen, 
dass die arabischen Quellen ibrisam ganz allgemein auch für Seidenfaden, 
Seidenz wirn nehmen, gleichviel ob derselbe die Coconfäden oder das aus 
der Flockseide erzeugte Faden-Gespinnst betriHt m"). Dieser Fingerzeig 
genügt, um bei der Beurtheilung der von den muhammedanischen Autoren 
erwähnten Seidenstoffe zur Vorsicht zu mahnen. 
Noch muss bemerkt werden, dass die Araber die ausgekochte, de- 
gummirte lbrisam-Seide auch harir nennen m). Sie verstehen darunter 
die von dem Klebstoff befreite, gebleichte, glänzend weiche Seide m"). 
97) lbn Haukal, l. c. p. 241.- Mukaddasi, l. c. p. 580. Diese sonntägliche 
Handelsmesse gutaltete sich zu solch" einem volksthümlichen Brauch, dass man den 
Namen des Marktplatzes auf den Tag der Messe übertrug und in Berdha'a die Wochen- 
tage zu zählen pflegte: Freitag, Samstag. Krznichtag, Montag u. s. w. 
9') Bar Ali, Lex. ed. l-lofmann, l, p. g, n. tol; Payne-Smith, Lex. s. v, 
9') Vämbery, Etymol. Worterb. der Turko-tatarischen Sprachen, 1878, p. 35. - 
Derselbe, Die primitive Cultur des Turko-tatarischen Volkes, 187g, p. 88. 
"") Die in dieser Richtung aus den morgenländischen Quellen geschöpften Resul- 
tate ausgedehnter Untersuchungen muss ich mir für einen andern Ort aufsparen. 
m) Tädsch el-'arüs, l. c. lll, 139. - Butrus el-Bustäni, Kutr el-muhit, 
Beirüt, 1569, l, p. 383. - Die Wurzel hurra (heiss machen) weist eben auf die ersten 
vorbereitenden Acte der Seidengewinnung: Tödtung der Puppen in den Cocons durch 
Erhiuung und Eintauchen derselben in heisses Wasser zur Ablösung der äussern Flockseide. 
m) Harfr oder das nom. un. harfre bezeichnet auch einen aus lbrisam-Seide ge- 
fertigten Stoff, dessen Zusammenhang mit Atlas später noch besprochen werden wird. 
Vgl. Dschauhari, Sihah, Buläker Ausg. l, p. 304.
	        

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