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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 166)

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dem Bedürfniss nach plastischer Vertiefung entsprechen. So bleibt endlich 
nur noch die raumschaffende perspectivische Linie, wie sie die Stillleben, 
die Innenansichten von Schränken und namentlich die zahlreichen archi- 
tektonischen Prospecte aufweisen. Wenn Burckhardt meint, dass sich in 
letzteren der übermässige Baugeist der Zeit ahlagere, so hat das doch 
nur zum Theil seine Berechtigung. Durch die ganze Kunst des Quattro- 
cento geht der Zug, die neue perspectivische Wissenschaft zu verwerthen, 
das freudige Sichüben in constructiven Problemen, wie sie just eine ar- 
chitektonische Stalfage am deutlichsten bot. Dazu mochte in diesem Falle 
noch kommen, dass, was Vasari zu einer unrichtigen Schlussfolgerung 
auf ihr Alter verleitet, die Darstellung geradliniger Gegenstände den In- 
tarsiatoren am leichtesten, d. h. wohl auch diesem Kunstzweig am ent- 
sprechendsten war, Deshalb auch widmen sich die besten Kräfte wie 
Barili, Giov. da Verona und andere mit besonderer Vorliebe derlei M0- 
tiven, ohne indess die menschliche Figur vollständig aus ihrem Dar- 
stellungskreis auszuschliessen. 
Ganz ohne Zusammenhang mit der anstossgebenden Kunst und eher 
wieder auch durch die Verwendung vielfach gefärbter Hölzer auf das eigent- 
liche Mosaik zurückweisend, sind die tigurenreichen Historien und Land- 
schaften, wie wir sie zuerst von Fra Damiano von Bergamo, dann auch 
von seinen Schülern nach Zeichnungen Lott0's ausgeführt finden und wie 
sie endlich im 16. bis 18. Jahrhundert zu bedenklicher und allgemeiner 
Herrschaft gelangen. Damit hat aber auch die Holzmalerei jegliche Stil- 
grenze verlassen und artet zu einer künstlerischen Spielerei aus. 
Auf der vollen Höhe decorativer Kunst steht dagegen die [ntarsia 
in ihrer dritten Form, wenn sie Pilaster, Friesbänder, Mittelfelder mit 
ihrem reichen Ranken- und Arabeskenwerk überzieht. Wie sie selbst erst 
der ausgebildeten Renaissance entspringt, gehören auch ihre Muster zu 
den edelsten Blüthen derselben. Ein Blick darauf zeigt, welcher Formen- 
welt sie ihre Entstehung verdanken. Es ist das auf die Fläche übertragene 
Reliefornament der Steinsculptur, theilweise natürlich modificirt durch 
die eigenthümlichen Bedingungen, unter die es in der neuen Anwen- 
dung tritt. 
Charakteristisch für diese lntarsienart im Vergleiche mit den früher 
genannten ist der scharf ausgesprochene Gegensatz von Grund und Einlage, 
ersterer meist dunkel, letztere hell, ferner die durchgängige Einfärbigkeit 
des Ornamentes. Das bedingt ein Stilgebot, das in den besten Werken nie 
vernachlässigt, selbst wieder massgehend für die Formbildung wird, näm- 
lich alle geschlossenen Massen aufzulösen, der Fläche des Grundes die 
bewegte Contour der Einlage gegenüberzustellen. Vasen, Postamente und 
dergleichen werden durchbrochen, gewissermassen nur in ihrem structiven 
Gerüste dargestellt, die figuralen Elemente, wie Putten, dann alles Ge- 
thier, so widerstrebend sie im Grund dieser Decorationsweise sind, wenig- 
stens durch kräftige Markirung der Innenformen belebt. Beispiele dieser
	        

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