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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 168)

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Die absolvirten Schülerinnen haben bisher durchwegs Anstellungen 
gefunden, obwohl gerade diese Frage es ist, die das Publicum noch mit 
Misstrauen, die Direction mit einiger Besorgniss erfüllt. 
Waisenhaus in Mailand. Bllnden- und Taubstummen-Instltute. 
Ganz ausgezeichnet schön in ihrer Art waren die Arbeiten, welche 
das Waisenhaus in Mailand, das Taubstummen-lnstitut del Monte al Ponti 
Rossi, das Blinden- und Taubstummen-lnstitut zu Mailand und zu Venedig 
eingesandt hatten. Namentlich waren die Weißstickereien und Spitzen 
der beiden erstgenannten Anstalten von meisterhafter Ausführung. - 
Unter den Arbeiten der venetianer Blinden waren geliochtene Blumenkörbe 
und geknüpfte Stores, welche an solchen Lehranstalten als Producte 
einer zweckmässigen Beschäftigung erscheinen. Es drängt sich überhaupt 
dem Beschauer der Elaborate, die aus den Erziehungsinstituten für Blinde 
stammen, der unabweisliche Wunsch auf, dass diese unglücklichen Menschen 
mit allen Arbeiten verschont bleiben mögen, deren Anfertigung in das 
Gebiet qualvoller Spielerei hinüberreicht. Was nützt den Blinden die bunte 
Straminstickerei, die sie so mühselig zu Stande gebracht haben und deren 
Beurtheilung nie in ihrer Macht liegen wird. Ein Gesetz, welches bei 
der Feststellung des Lehrprogrammes der Blinden-Institute unverbrüchlich 
eingehalten werden sollte, wäre das: Nur jene Arbeiten, welche die Schüler 
und Schülerinnen schliesslich ohne fremde Mithilfe ausführen lernen und 
die sie vermittelst des Tastsinnes selbstständig und richtig beurtheilen 
können, nur diese Arbeiten sind in das Programm aufzunehmen. 
Alle anderen sind entweder Ueberfluss oder Qual. 
Als ein Beweis, wie schwer oft gegen die Gesetze der Vernunft in 
solchen Schulen gesündigt wird, mag hier beispielsweise erwähnt werden, 
dass aus dem Blindeninstitute zu Montreal (Canada) ein kleines Thee- 
service auf der Ausstellung war, dessen Tassen, Löffeln und Kannen aus 
Draht und Perlen in zwei Farben mühselig geformt und geflochten war. 
Arme Blinde! Das war das einzige Raisonnement das man bei Betrachtung 
dieses Arbeitsproductes machen konnte. 
Kindergärten von Genua und Venedig. 
Unter den Spielwerkzeugen und Geräthen Fröbefscher Schule hatte 
der Kindergarten in Genua sehr hübsche Modellirarbeiten, meist Thiere, 
ausgestellt. Die grössere Zahl der Objecte war gut und nett ausgeführt, 
so dass sie gewiss dazu dienen mögen die naturhistorischen Begriffe der 
kleinen Arbeitsleute anzuregen und zu erweitern, und gleichzeitig ihre 
manuelle Kunstfertigkeit zu bilden und zu verbessern. Das Institut in 
Venedig hat, statt der Nachbildungen in Thon, das Knüpfen und Stricken 
von Fischernetzen als Hauptarbeitszweig des Kindergartens eingeführt. 
(Fortsetzung folgt.)
	        

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