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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIV (1879 / 168)

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nicht genugendes Licht und es ist gar nicht zu vermeiden gewesen, dass einzelne zu- 
sammengehorige Gegenstände (z. B. die vom Oesterr. Museum und der chemiseh-techn. 
Versuchsanstalt desselben ausgestellten Objecte, die Arbeiten 'der Prager Goldschmiede- 
schule etc.) getrennt und Bilder und Möbel minder gut beleuchtet erscheinen. Wie immer 
der finanzielle Theil der Ausstellung sich fur das Comite und fur die Aussteller schliess- 
lich gestalten mag, so viel scheint gewiss, dass man künftig andere Wege wird ein- 
schlagen müssen, als es hier geschehen ist; es ist dies um so rathlieher, als die Raume, 
welche dermalen zur Verfügung stehen, sehr beschränkt sind und nur in bescheidener 
Weise sich zweckmässig verwenden lassen. 
Es durfte jetzt. wo in Deutschland rationelle Grundsätze im gewerblichen Aus- 
stellungswesen zum Durchbruche kommen, auch in Oesterreich an der Zeit sein, dem 
Ausstellungswesen eine erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Die industriellen, die Ge- 
werbevereine und Museen sind in erster Linie berufen, Reformen in dieser Richtung an- 
zubahnen. Es ist nicht notbig, immer zu warten, bis die hohe Obrigkeit einschreitet; 
das Beste, was jetzt in Deutschland geschehen ist, kam durch die Corporationen und 
industriellen ohne Staatssubvention zu Stande. Am schlechtesten sieht es in Prag aus, 
wo es seit langerer Zeit Mode geworden ist, Ausstellungen von sehr kurzer Dauer zu 
veranstalten, bei denen es absolut unmöglich ist, einige Erfolge zu erzielen. 
Es liegt nicht in unserer Absicht, eingehend über die ausgestellten Obiecte zu re- 
feriren; wir beschränken uns blos auf einige Bemerkungen und fuhren an, dass z. B. in 
der Möbelindustrie und in der Kunstschlosserei einige recht gute Arbeiten aus Teplitz 
und Petschau zur Ausstellung kamen. Wir wenden uns der keramischen lndustrie von 
Teplitz und Umgegend und den Fachschulen zu, welche, wenn auch nicht vollständig, 
so doch sehr anerltennungswurdig ausgestellt hatten. Bohmisches Glas war sehr wenig, 
und das böhmische Porcellan (mit Ausnahme der Stellmachefschen Porcellanblumen) fast 
gar nicht vertreten. Mit Vorliebe wendet sich die Thonwaarenindustrie der Maiolica, dem 
Steinzeuge, der Terracotta u. A. zu, jenen Zweigen der keramischen Kunst, in welchen 
dem coloristischen Elemente Rechnung getragen werden kann. Dies liegt im Zeitgeist: 
und in der Strömung, welche auch die Malerei und Plastik beherrscht. Sehr anerkennens- 
werth haben die Firmen Eichler, Tschinltel, Hauptmann etc. ausgestellt, und er- 
freulich ist es, auch die Fachlehrer der Schulen in Teplitz und Tetschen, die Herren 
Laube, Lhotta und Reimann mit selbständigen Arbeiten iu der keramischen Gruppe 
vertreten zu sehen. Eine lndustrie, wie die in Teplitz und Umgebung, welche den viel- 
gestaltigen Anforderungen des Marktes entsprechen muss, lasst sich nicht nach Schulmustern 
leiten, sondern verlangt künstlerische Anregungen verschiedener Talente und verschiedener 
Richtungen. Ein ganz eigenthümliches Talent ist Herr Jean Rordorf (in Oberleutens- 
dorf); ihm ist Humor und Eründungsgabe in reichern Maße beschieden. - Die Arbeiten 
der kunstgewerblichen Fachschulen des Handelsministeriums machen einen sehr guten 
Eindruck; sie leiden nur durch das bunte Durcheinander der Ausstellung und durch das 
relativ geringe Verstandniss des gewöhnlichen Ausstellungs-Publicums. Den Preis möchte 
ich den Fachsehulen von Teplitz, Tetschen, Reichenberg, Oberleutensdorf, den Webe- 
schulen u. a. rn. zuerkennen, die es verstanden haben, ohne den Unterrichtsgang zu stören, 
sich mit der lndustrie in directe Fühlung zu bringen. Die lndustrie verlangt von diesen 
Anstalten geschulte Arbeitskräfte, weder Paradestücke noch kostbare Gegenstände, die zu- 
meist Niemandem rechte Freude machen. - Dass bei solchen Ausstellungen auch Mittel- 
und Volksschulen herangezogen werden, scheint uns durchaus unpassend. 
Wir hotfen noch Gelegenheit zu haben, auf die Bedeutung der keramischen ln- 
dustrie Bohmens in diesem Organe zurückzukommen. Welche Wünsche aber auch auf 
dieser Ausstellung zur Sprache kommen mögen, so viel ist gewiss, dass der rührige Ge- 
werbevcrein von Teplitz sich um die lndustrie seines Bezirkes durch die Ausstellung 
wohl verdient gemacht hat. 
(Jln Sworts 1.) Am iz. August d. J. starb in Marienbad der Director der Prager 
Akademie der bildenden Künste, Jan Swerts. Der Verblichene war ein Künstler von 
feiner Bildung und ernstem Streben und nahm unter den belgischen Malern einen ehren- 
vollen Platz ein. Sein Tod bedeutet einen bedauernswerthen Verlust fur das künstlerische 
Leben Prags. Swerts war in Antwerpen 1820 geboren und wurde im Alter von 19 Jahren 
Schuler der dortigen Akademie und später des Professors de Keyser. Mit seinem Kunst- 
genossen und Freunde Gulfens machte er dann Studien in Rom, Paris, Düsseldorf, Mün- 
chen und Dresden. Vom Jahre 1855 bis 1858 führten Swerts und Gulfens historische 
Wandgemälde in der neuen Börse von Antwerpen aus, Welche leider durch den Brand 
am 3. August 1858 vernichtet wurden. Später schmückten beide Künstler die neue St. 
Georgs-Kirche in Antwerpen mit Frescogemalden. lm Jahre 1874 wurde Swerts als Nach- 
folger Trenkwalds Director der Akademie der bildenden Künste in Prag. Seine bedeu- 
tendste Arbeit in Prag war die Ausschmückung der Anna-Capelle im St. Veits-Dome. 
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