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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 173)

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bürgerlicher Absicht", und da dieselbe zu den weniger gelesenen gehören 
dürfte, ist es wohl gestattet, diejenigen Gedanken des grossen Philosophen 
zu citiren, welche unserem Autor vorgeschwebt zu haben scheinen. Kant 
sagt dort unter AnderemfwDa die Menschen in ihren Bestrebungen nicht 
blus instiuctmässig, wie Thiere, und doch auch nicht wie vernünftige Welt- 
bürger, nach einem verabredeten Plane im Ganzen verfahren, so scheint 
auch keine planrnässige Geschichte (wie etwa von den Bienen oder den 
Bibern) von ihnen möglich zu sein . . . . Es ist hier keine_ Auskunft für den 
Philosophen, als dass, da er bei Menschen und ihrem Spiel im Grossen 
gar keine vernünftige eigene Absicht voraussetzen kann, er versuche, 0b 
er nicht eine Naturabsicht in diesem widersinnigen Gange menschlicher 
Dinge entdecken könne, aus welcher von Geschöpfen, die ohne eigenen 
Plan verfahren, dennoch eine Geschichte nach einem bestimmten Plane 
der Natur möglich seilu Und weiter: wAm Menschen sollten sich die- 
jenigen Naturanlagen, die auf den Gebrauch seiner Vernunft abgezielt sind, 
nur in der Gattung, nicht aber im Individuum vollständig entwickelnp 
in welchem Zusammenhange dann auf die Ueherlieferung der Aufklärung, 
wie Kant sagt, der Cultur, wie wir sagen würden, hingewiesen wird. 
Und endlich: "Die Natur thut nichts überflüssig und ist im Gebrauch 
der Mittel zu ihren Zwecken nicht verschwenderisch. Da sie dem Menschen 
Vernunft und darauf sich gründende Freiheit des Wissens gab, so war das 
schon eine klare Anzeige ihrer Absicht in Ansehung seiner Ausstattung. 
Er sollte nämlich nun nicht durch lnstinct geleitet oder durch aner- 
schaffene Kenntniss versorgt und unterrichtet sein", er sollte vielmehr alles 
aus sich selbst herausbringen. Die Erfindung seiner Bedeckung seiner 
äusseren Sicherheit und Vertheidigung (wozu sie ihm weder die Hörner 
des Stieres, noch die Klaue des Löwen, noch das Gebiss des Hundes, 
sondern blos Hände gab), alle Ergötzlichkeit, die das Leben angenehm 
machen kann, selbst seine Einsicht und Klugheit, und sogar die Gutartig- 
keit seines Willens, sollten gänzlich sein eigenes Werk sein. Sie scheint 
sich hier in ihrer grössten Sparsamkeit selbst gefallen zu haben, und ihre 
thierische Ausstattungso knapp, so genau auf das höchste Bedürfniss 
einer anfänglichen Existenz abgemessen zu haben, als wollte sie, der 
Mensch sollte, wenn er sich aus der grössten Rohheit dereinst zur grössten 
Geschicklichkeit, innerer Vollkommenheit der Denkungsart und (so viel es 
auf Erden möglich ist} dadurch zur Glückseligkeit emporgearbeitet haben 
würde, hiervon das Verdienst ganz allein haben, und es sich selbst nur 
verdanken dürfen. Gleich als habe sie es mehr auf seine vernünftige Selbst- 
schätzung, als auf sein Wohlbefinden angelegt . . . . Befremdend bleibt es 
immer hierbei, dass die älteren Generationen nur scheinen um der späteren 
willen ihr mühseliges Geschäft zu treiben, um nämlich diesen eine Stufe 
zu bereiten, von der diese das Bauwerk, welches die Natur zur Absicht 
hat, höher bringen könnenn- (Schluss folgt)
	        

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