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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 178)

nach und nach eingedrückt. Es trat aber auch die Farbe hinzu, ins- 
besondere bei jenen Bänden, welche den Halt, das Grundschema der Deco- 
ration angaben. Die Farbe konnte mit dem Pinsel hinzugefügt sein, die 
bessere Art aber bestand aus zugeschnittenem, feingeschabten und auf- 
geklebtem farbigen Leder. 
Die farbige, mosaikartige Methode, welche einen Theil der Einbände , 
Groliers ausgezeichnet, wurde gegen das Ende des 16. Jahrhunderts wieder 
aufgegeben, dagegen die goldene Linienführung immer feiner, verschlun- 
gener und durchgebildeter gemacht. ln dieser Beziehung hat das 17. Jahr- 
hundert noch überaus reizende und vollkommene, oft aber zu reiche 
Leistungen aufzuweisen. Pßanzenornarnente, Zweige, Ranken und Blüthen 
schlangen sich nun auch durch die Arabesken und wurden zuweilen nur 
in Punkten mit äußerster Zartheit ausgeführt. Frankreich stand an der 
Spitze dieser Entwicklung, wie es ja auch seit den Zeiten Richelietfs, 
Mazarins und Colberts die Führung in Mode und Geschmack besass. Italien, 
dessen Bücher sich im 16. Jahrhunderte durch eine gewisse Einfachheit 
ausgezeichnet hatten, trat entschieden zurück. Es fiel auch in dieser Be- 
ziehung den Plumpheiten und Rohheiten seines Barockstiles anheim. 
(Schluss folgt.) 
Die Aufgaben der Frescomaloroi in der Vntivkircho. 
Mehrere Jahrzehnte sind vergangen, seitdem unter Führichs und van 
der Nlills Oberleitung in der Altlerchenfelder Kirche eine Reihe von 
österreichischen Künstlern mit der Ausführung eines Cyklus von Fresco- 
malereien vom Unterrichtsministerium betraut worden. Die hochachtbaren 
Leistungen dieser Künstler, darunter Fiihrich, Kupelwieser, Blaas, Carl 
Mayer, Dobyaschofsky, Binder u. A., haben seit dieser Zeit anWerth und 
Bedeutung nichts verloren. Alle die in jenen Tagen sich für Hebung 
der großen figuraleu Kunst interessirten, hegten die Hoßnung, dass das, 
was damals begonnen wurde, eine spätere Zeit bei passender Gelegenheit 
fortsetzen würde. Damals stand Wien im Anfangsstadium der Stadtv 
erweiterung; die Architekten trugen sich mit den schönsten Hoffnungen. 
Noch waren die Monumentalbauten nicht gebaut, welche Wien zu einer 
Weltstadt, zu einer Metropole der modernen Architektur erhoben haben. 
Die von Georg Müller gebaute Altlerchenfelder Kirche mit ihrem 
Freskencyklus war eine Nachblüthe der großen deutschen romantischen 
Malerschule, deren Träger durch König Ludwig zur Ausführung von 
Fresken in der Bonifaciuskirche, Ludwigs- und Allerheiligen-Hofkirche in 
München und im Speyerer Dome berufen wurden. Seit jener Zeit hat nur ein 
einziger Monurnentalbau am Stadterweiterungs-Terrain, das Hofopenheater, 
alle Anforderungen der großen decorativen und historischen Kunst vollständig 
befriedigt. Alles was sich in Malerei, Plastik, _in den Klein- und decorativen
	        

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