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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 178)

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Es lässt sich also der geschichtliche Gang der Buchbinderei im Osten 
wie im Westen so ziemlich übersichtlich verfolgen. Für die neueren Zeiten 
seit der Erfindung der Buchdruckerei sind auch die Länder geschieden, 
und es lassen sich die charakteristischen Merkmale der italienischen, deut- 
schen, französischen Einbände sehr wohl wahrnehmen und studiren. Selbst 
Spanien und England fehlen nicht. Dazu kommen nun noch zwei 'beson- 
dere Zweige der Buchbinderei. Den einen bilden die mit Silber, Gold, Email, 
Filigran geschmückten Einbände, zu welchen die Ambraser Sammlung_ 
jedenfalls das Beste gestellt hat. Aber auch das Museum hat bereits einen 
kleinen Vorrath in dieser Art gesammelt, und nicht minder sind von 
anderen Sammlungen oder Privaten schöne Beispiele zugeflossen. Mit dem 
anderen Zweige sind die orientalischen Einbände gemeint, verschiedene 
Korane, Dichterwerke in goldgepresstem und zum Theile gefärbtem Leder 
oder die bekannten persischen und indischen, mit Blumen und Figuren 
in Lackmalerei geschmückten Buchdecken. Das Beste zu diesen Zweigen 
haben die kaiserliche Familien-Fideicommiss-Bibliothek, die fürsterzbischöf- 
liche Bibliothek zu Kremsier und Baron Nathaniel von Rothschild gestellt. 
Das ungefähr ist die ältere Abtheilung, welche den ganzen vorderen 
Saal einnimmt. Es schien aber lehrreich und nothwendig, neben dem 
Alten auch das moderne Gewerbe, wie es ist, eben so gut vertreten zu 
haben. Es schien nothwendig, nicht bloß um zu sehen, wie heute gear- 
beitet wird, welche Richtungen und Wege der modernste Geschmack ein- 
schlägt, sondern weil erst aus der Zusammenstellung und Vergleichung 
mit voller Klarheit sich ergibt, was an sich gut und schlecht ist und wie 
das Alte oder was von ihm zu moderner Verwendung fruchtbar gemacht 
werden kann. Es lag vollkommen in der Absicht (die hoffentlich Niemand 
verstimmt), das bücherfreundliche Publicum darüber aufzuklären und zu 
unterrichten, wie man heute arbeitet und wie in alten Zeiten gearbeitet 
worden. Aus diesem Grunde ist von der modernen Fabrication auch das- 
ienige nicht ausgeschlossen worden, was wir für verfehlt erachten müssen, 
vorausgesetzt, dass es in seiner Art bedeutend oder charakteristisch und 
lehrreich genug ist, um uns auch die verkehrten Wege kennen zu lehren. 
Da es nun leider Wien nicht ist (die oben erwähnten Prachteinbände 
ausgenommen), welches in der modernen Buchbinderei den Ton angibt, 
so musste man sich vor Allem Beiträge zur Ausstellung von jenen Orten 
zu verschaffen suchen, welche als die Führer, sei es nun auf guten oder 
schlechten Wegen, zu betrachten sind, das ist London, Paris und Leipzig. 
Was bis jetzt vorhanden ist, und mehr noch wird erwartet, das ist ganz 
gut geeignet, eine Uebersicht über die gegenwärtige Leistung in künst- 
lerischer wie technischer Beziehung zu geben. Die modernste französische 
Buchbinderei ist recht gut vertreten, allerdings noch nicht direct von den 
französischen Buchbindem selber, wohl aber durch die Vermittlung der 
Kunstfreunde und Buchhandlungen, so durch den Fürsten R. Metternich 
und durch Gerold ä Comp. und Lechner, desgleichen durch das Oesterr.
	        

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