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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 178)

sich von der höchsten Solidität zu trennen. So deckte man die Holz- 
tafeln mit Leder und gab ihnen Eckstücke, dann auch Schließen vor: 
Metall und fügte der Zierde halber noch ein Mittelstück hinzu. Dies 
wurde die gewöhnliche Art während der gothischen Kunstperiode des 
Mittelalters. Die Kunst warf sich gleichermaßen mit Treiben und"Gra- 
viren auf diese Metallbeschläge, aber sie erreichte selten die Höhe der 
vorausgegangenen Art und Epoche. Ein schönes Beispiel der älteren Zeit 
noch romanischen Styles geben in unserer Ausstellung die Beschläge einer 
Cassette des Herrn Dr. Albert Figdor, Beschläge, die ursprünglich den 
Einband eines Manuscriptes zierten; für die spätere Zeit dagegen, den 
Ausgang des_15. Jahrhunderts, ist besonders lehrreich ein Beispiel aus 
der Ambraser Sammlung, ein Lehr- und Lesebuch, das für den Knaben 
Maximilian, den nachherigen Kaiser, geschrieben werden und aus dem er 
in der That seine erste Schulweisheit erlernt hat. Zwischen beiderfliegt 
eine ganze ornamentale Entwicklung der Bücherbeschliige, für welche das 
Oesterr. Museum selbst in einer reichhaltigen Collection die Beispiele 
besitzt. Unsere Ausstellung bietet auch noch manche Beispiele aus spä- 
terer Zeit. 
Mit der Erfindung der Buchdruckerkunst und der ungeahnten Ver- 
mehrung der Bücher ging eine große Umiinderung in der Buchbinderei 
vor sich. Ehe wir aber des Näheren davon reden, wollen wir die Metall- 
verzierung noch weiter verfolgen. Sie hörte mit der neuen Herrschaft 
des Leders nicht auf, aber sie zog sich so zu sagen aus der Praxis, aus 
dem gemeinen Leben in die vornehme Welt zurück, daher denn auch 
Silber fast ganz an die Stelle von Kupfer oder Bronze trat. Der Metallvbe- 
schlag, bis dahin nothwendig, wurde nun mehr oder weniger reiner Luxus. 
Für diese silbernen Luxusbände bietet unsere Ausstellung vom 165 
bis zum 18. Jahrhundert eine sehr schöne und sehr interessante Folge." 
Mit wahrhaft künstlerischen Werken, den feinsten Arbeiten derlGold- 
schmiedekunst ist das 16. Jahrhundert durch eine Reihe M-anuscrlpte, 
meist Gebetbücher, aus der Ambraser Sammlung vertreten; Matiuscripte, 
die auch geschichtlich durch ihre ehemaligen Besitzer interessant sind. 
Ein Gebetbuch, etwa vom Jahre 1500, zeigt noch die scharfkanligengiothi- 
scheu Motive mit einem reizenden Salamander als Mittelstück. Bei einem 
anderen französischen Gebetbuche hat sich noch der goldgesticltte Sammt- 
beutel erhalten, in welchem nach der Sitte des 15. und v6. Jahrhunderts 
die Dame ihr Gebetbuch zur Kirche zu tragen pflegte - eine Antiquität 
von höchster Seltenheit. Ein Atlas von Seekarten auf Pergament, auch 
inhaltlich ein Werk von höchstem Reize, zeigt auflrothem Sammt cise- 
lirtes Silberbeschläge imschönsteu Stile der Kleinmeister; eint geschrie- 
benes Gebetbuch vom Ende des 16. Jahrhunderts ist mit gediegenen: Golde 
beschlagen und das Gold in Relief und emaillirt in der Art jener Gold- 
schmiede, welche am Hofe Kaiser Rudolfs ll. arbeiteten, und vermuthlich 
auch ihr Werk, in jedem Falle in seiner Art eine Arbeit ersten Ranges.
	        

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