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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 181)

reichlich erhalten hat, so enthält die Ausstellung deren so gut wie gar 
nichts, was Interesse böte oder Alter und Eigenthümlichkeit besäße. Im 
steirischen Lande scheint das alles erstorben. Selbst fdie bäurische Stickerei 
und Weberei ist gleich Null; ein bischen locale Pfeifendrechslerei hat noch 
einiges originelle Aussehen. Ueber die Steiermark ist fort und fort die 
Cultur gestrichen und hat ausgelöscht, was etwa jemals in der Kunst- 
arbeit von landeseigenem Gepräge vorhanden war. Hat die Cultur Ersatz 
gegeben? Steht das Kunstgewerbe auf der Höhe der Zeit? 
Wenn wir von diesem Gesichtspunkte aus die ausgestellten Gegen- 
stände der steirischen Kunstindustrie mustern, so finden wir Gutes und 
Schlechtes neben einander, solche Gegenstände, die allen Anforderungen 
der Zeit genügen, und solche, die gänzlich hinter ihr zurückbleiben. Das 
will sagen, theilweise ist die Industrie von der Strömung der Zeit ergriffen 
worden, theilweise noch nicht. Fragen wir nach der Ursache bei denjenigen 
Gegenständen, in welchen wir den modernen Geist der künstlerischen 
Reform erkennen, so werden wir auf das KVirken des Vereines für Kunst- 
industrie hingeführt und insbesondere auf die Thätigkeit der Staatsgewerbe- 
schule in Graz, deren Aufgabe es ist, in reicher, umfassender Gliederung 
neben dem Baugewerbe alle Zweige der Kunstindustrie zu bilden. 
An der Ausstellung ihrer Schülerarbeiten (auf der Galerie der Halle) 
wird man einen Grundzug nicht verkennen: sie ist nicht Schule für die 
Schule, sondern Schule für das Leben. ln der Wahl der Gegenstände, in 
der Hinüberführung von der Zeichnung zum Modelle, vom Modelle zur 
Ausführung im richtigen Materiale zeigt sich ihre eminent praktische 
Richtung. Zusammengehalten mit dem, was die Fabrication ausgestellt 
hat, erkennt man wiederum, dass die praktische Richtung auch Boden 
gefunden und Früchte getragen hat. Hier ist zugleich die Privatthätigkeit 
der Lehrer, wie z. B. der Herren Lacher und Kühn, eingetreten, indem 
sie den Werkstätten kunstgerechte Modelle und Zeichnungen liefern und 
ihnen in der Ausführung mit Rath und That zur Hand sind. Auf diesem 
Wege nun ist bereits manche erfreuliche Erscheinung geschaffen worden. 
Man sieht Leben und Bewegung und damit eine Zukunft. 
Die aulfallendste Erscheinung vielleicht in dieser Richtung sind die 
Oefen und Camine. Es ist, als 0b die weißen Kachelöfen verschwunden 
wären, so überwiegend an Zahl und Bedeutung stehen die reliefgeschmückten 
grünen und die bunten Maiolikaöfen da, und manche darunter durchaus 
gelungen, nur dass die Zusammensetzung, technisch einigermaßen sorglos, 
nicht auf der gleichen Höhe mit der Kunst steht. Alle bewegen sich in 
den Motiven des sechzehnten Jahrhunderts und sind doch meistens freie 
Compositionen, nur angeregt durch die alten Vorbilder. So hat die wVenus- 
Kacheln im österreichischen Museum Herrn Professor Lacher, dem über- 
haupt das erste Verdienst in dieser Fabrication gebührt, das Motiv zu 
einem der schönsten Oefen gegeben. Bisher kannten wir von der Weih-
	        

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