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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 181)

Bestrebungen in dieser Richtung kaum ein paar Jahre alt sind, reichen 
die der Pariser und Londoner Buchbinder, welche vom Geschmacke der 
Bücherfreunde und Kunstsammler geleitet waren, schon ein paar Jahr- 
zehente zurück. Schon von den früheren Ausstellungen her sind Lortec 
in Paris, Marne in Tours, Zähnsdorf in London wohlbekannte Namen. 
Das Genre Grolier mit seinen Band- und Linienarabesken auf rothem 
oder braunem Leder schwebte ihnen als Muster vor. Sie versuchten die 
gleiche Solidität und Vollendung und vermittelst goldener l-landpressung 
die gleiche Genauigkeit und Zierlichkeit der Arbeit, den gleichen Eindruck, 
den gleichen Geschmack zu erreichen, und ist es ihnen gewiss, wie auch 
unsere Ausstellung zeigt, in vielen Fällen gelungen. 
Diese Arbeiten sind auf unserer Ausstellung reichlich vertreten, 
zumal die französischen, und zwar in älteren Exemplaren, schon von 
1867, wie in allerjüngsten. Die Repräsentanten stammen aus.den Samm- 
lungen und Beiträgen der Herren Rollinger, von Gerold St Comp., aus 
den Sammlungen des Oesterreichischen und des Brünner Museums, aus 
der Liechtensteirfschen Bibliothek (d. i. aus der ehemaligen Bibliothek 
Firmin-Didot), die jüngsten aus der Bibliothek des Fürsten Metternich. 
Wir sehen sie einfach und reich, in lichtem wie dunklem und ge- 
färbtem Leder, einfarbig oder mosaikartig. Die einen fallen auf durch 
ihre außerordentliche Schlichtheit, welche die Fläche der Decke gar nicht 
oder höchstens mit einer goldenen Linie, den Rücken vielleicht nur mit 
dem Titel verziert hat. Sie tragen, den äußeren Prunk verschmähend, 
ihre Zierde auf der innern Seite. Nimmt man aber den Band zur Hand, 
so wird man sich des Gefühlesr nicht entschlagen können, dass man ein 
edles, in seiner Einfachheit wohlberechnetes Werk vor sich hat. Andere 
wieder legen den Nachdruck auf die Verzierung des Rückens, Andere 
überziehen auch die Decken mit reichem Schmucke, aber welch" eine 
andere Wirkung als diejenige der Wiener Prachthüllenl Alle aber wenden 
ihre Sorgfalt gleichmäßig der inneren wie der" äußeren Seite zu, verzieren 
mit goldenen Ornamenten den inneren Rand der Decken, beachten den 
Schnitt und was ihm passt, so dass der Kunstfreund wirklich den Ein- 
druck einer vollkommenen, allseitig befriedigenden Arbeit erhält. 
Diese französischen und englischen Einbände sind auch nicht un- 
bemerkt geblieben, aber außerhalb Englands und Frankreichs begegneten 
sie nur ausnahmsweise dem Verständnisse, und nur ausnahmsweise fanden 
sie Liebhaber, welche die hohen Preise der überaus sorgfältigen Arbeit 
zahlten. Die erste Nachahmung - viel früher als in Leipzig - fanden 
sie in Wien durch Rollinger, von dem die Ausstellung eine Reihe hübscher 
und gelungener Arbeiten zeigt. Dannkam der allzu früh verstorbene 
Wunder und bemühte sich mit viel künstlerischem, aber wenig materiellem 
Erfolge, der goldenen Handpressung Verbreitung zu geben. Bei längerem 
 
Ebrtsztgung auf der Beilage.
	        

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