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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 181)

lehrer in's Leben rief. Die zweite Schwierigkeit wurde dadurch umgangen, dass die Ober- 
leitung dieses gesammten Fachunterrichtes der benachbarten Reichenberger Staatsgewerbv 
schule übertragen wurde. 
Diese hatte nun zwei Aufgaben im Interesse der Gablonzer Industrie zu erfüllen: 
erstens musste sie den Lehrkräften der Fachschule mit Rath und That in jeder Weise 
beistehen und sie sowohl in pädagogischen als auch in industriellen Fragen wie im Ver- 
kehre mit der Bevölkerung und den Behörden unterstützen; zweitens hatte sie in den ' 
Ferien die VoIks- und Bürgerschullehrer der um Gablonz liegenden Ortschaften zu den 
Zeichen- und Fortbildungscursen zu versammeln, in denen die vorzüglichen Fachkräfte 
der Staatsgewerbeschule Unterweisungen ertheilen. Dadurch wird einerseits der Zeichen- 
unterricht an den Volksschulen der ganzen Gegend gehoben und andererseits die Errich- 
tung von gewerblichen Zeichencursen in allen Ortschaften ermöglicht. An diesen Zeichen- 
cursen wird sodann constatirt, welche Schüler jeder Ortschaft die begabtesten sind, und 
diese werden mit Stipendien an die Fachschule in Gablonz gesendet. 
Ueberall, wo diese Decentralisation, für welche aber andererseits in der Fach- 
schule des industriellen Mittelpunktes und in der benachbarten Staatsgewerbeschule 
hohe re Einheite n gegeben sind, nicht eingeführt ist, kann offenbar der Fachunterricht 
nur sehr beschrankten Nutzen für die Hausindustrie stiften, und wird die Frequenz der 
betreffenden Fachschule eine ungenügende bleiben müssen. 
Der erste der erwähnten Lehrer-Fortbildungscurse ist nun in diesen Sommerferien 
an der Reichenbcrger Staatsgewerbeschule abgehalten worden. Es haben sich t; Volks- 
und Bürgerschullehrcr an demselben betheiligt und die erfreulichsten Beweise von Lust 
und Liebe für die Forderung der gewerblichen Bildung dabei an den Tag gelegt. Der 
Professor der Staatsgevrerbeschule Architekt; Brausfewctter leitete den Curs. Die befrie- 
digenden Resultate desselben liegen nunmehr vor und erregen in Fachkreisen um so mehr 
Interesse, als hiemit der erste Versuch in Oesterreich unternommen ist, 
die Verbindung der Volksschule mit dem gewerblichen Fachunterrichte 
praktisch in's Leben einzuführen. 
(Von der Taplltzer Gawerbesolmle.) Man schreibt uns aus Tcplitz: wDie pro- 
grammgemaß abgehaltene Ausstellung von Schülerarbeiten der hiesigen Fach- 
schule zeigt am deutlichsten den Weg zur Regenerirung des Gewerbes unter Aufwendung 
nahezu unbedeutender Mittel. Die Beistellung der Localitaten von der Gemeinde und 
zooo H. Subvention vom Handelsministerium ermöglichen den Lehrern der Anstalt, den 
Herren Laube und Reiman n, circa too Schülern kostenfreien Unterricht in der Schlos- 
serei, Tischlerei und der keramischen Industrie zu ertheilen; insbesondere sind die Fort- 
schritte in der Ausbildung des Geschmackes und der Kunstrichtung an den exponirteti 
Objecten der Keramik wahrzunehmen. Nahezu alle zeichnen sich durch Styltreue, durch 
kunstvolle, nach der Natur oder nach eigenenßompositionen ausgeführte Zeichnungen 
und Malereien aus, und werden diesen Zweig der Haus- und Großindustrie, wenn diese 
Schüler in's praktische Leben übertreten, nicht nur concurrenzfähig machen, sondern auch 
veredeln. Bei diesen unverkennbaren Vortheilcn, von denen die in hiesiger Gegend be- 
deutende Siderolith- _und Thonwaarenindustrie insofern Gebrauch macht, als sie sich in 
einschlägigen Fragen an die Anstalt wendet und Musterausführungen dortselbst besorgen 
lasst , ist es zu bedauern, dass die Anstalt noch mit mancherlei Vnrurthcil bei Meistern 
und Eltern zu kämpfen hat, die ihre Ptleglinge am regelmäßigen Schulbesuch verhindern." 
tKorbtleohtsohule.) Aus Hohenelbe, 26. September, wird dem nPrager Abend- 
blatte- geschrieben: wDie vorn Centralcornite zur Beforderung der Erwerbthatigkeit der 
böhmischen Erz- und Riesengebirgs-Bewohner in's Leben gerufene, Korbflechtschule ist 
am 25. d. M. feierlich eröffnet worden. Nach dem in der Decanalkirche abgehaltenen 
Gottesdienste begaben sich die Festtheilnehmer in den festlich derorirten Rathhaussaal, 
wo mehrere Ansprachen gehalten wurden, worauf die Besichtigung der von der Stadt- 
gemeinde zur Verfügung gestellten Localitäten stattfand. 
(Gewerbesohnle in Ober-Kram) In den Blattern wurde aus Lai bach gemeldet, 
dass die Absicht Sr. Excellenz des Herrn Unterrichtsministers bestehe, in Krain, und zwar 
in dem mit verschiedenen bedeutenden Hausindustrieziveigen (Korbflechterei, Holzschnitzerei) 
ausgestatteten Ober-Krain, eine auf die Hebung dieser Industriezweige berechnete Ge- 
werbeschule zu errichten. Die Nachricht bestatigt sich. Der Bevölkerung einiger Bezirke, 
welche für diese Handarbeiten viele sehr begabte und strebsame Elemente enthält, soll 
die technische und künstlerische Ausbildung ermöglicht werden, welche unerlässlich ist, 
um aus denselben einen ergiebigen Nahrungszweig zu schaffen. Bezüglich des Ortes, wo 
die Schule errichtet, und bezüglich der Sprache, in welcher der Unterricht ertheilt 
werden soll, ist, so viel wir erfahren, noch keinerlei Beschluss gefasst worden, indem 
hiebei einerseits das Gutachten der Localhehörden maßgebend ist, andererseits die Er- 
richtung einer solchen Schule zunächst an die Verfügbarkeit der betretfenden, durch die
	        

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