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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XV (1880 / 181)

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ein Handbuch für Physik und Chemie, entsprechend den Bedürfnissen der 
Künstler, eine wissenschaftlichen Zwecken entsprechende Kunstgeschichte 
u. s. f. Würde daher dem Lehrstande eine solche Bibliothek der einzelnen 
Zweige der Kunstwissenschaft zur Verfügung stehen, so würde den Be- 
dürfnissen der Lehrer, welche eine Kunstlehre suchen und brauchen, 
wenigstens theilweise abgeholfen sein, sie würden sich wenigstens leichter 
und sicherer orientiren können, als es jetzt der Fall ist. Von Seite der 
Regierungen hat es an Anstrengungen nicht gefehlt, einige dieser Disciplinen 
in Form eines Lehrbuches bearbeiten zu lassen; möglich, dass jetzt, wo 
das Bedürfniss nach solchen kunstwissenschaftlichen Werken von Seite des 
Lehrstaudes lebhafter hervortritt, sich auch Männer und Mittel finden 
werden, diesen Anforderungen in angemessener Weise zu entsprechen. 
Niemand wird es verkennen, dass seit der Zeit, als der Zeichen- 
unterricht_, sei es in Volkschulen oder Mittelschulen, als obligatorisch 
erklärt worden ist, die künstlerische Bewegung in den weitesten Kreisen des 
Publicums in Fluss gerathen ist. Denn , wenn auch auf den untersten 
Stufen des Unterrichtes in Volks- und Mittelschulen das Zeichnen nur 
als Fertigkeit gelehrt wird, so weckt schon die, durch einen methodisch 
geleiteten Zeichenunterricht gewonnene Fertigkeit den künstlerischen Sinn. 
Wenn ein Knabe oder ein Mädchen das Bewusstsein der erlangten Fertig- 
keit gewinnt, so wird dadurch in ihm die Lust am Zeichnen und am künst- 
lerischen Schaffen von selbst rege. So macht sich auch in Schulen immer 
das Bedürfniss geltend, den Unterrichtsstoff zu vermehren, die künst- 
lerischen Darstellungsweisen zu erweitern. Kommt nun hinzu, dass gegen- 
wärtig der ganze Gewerbestand eine mehr oder minder deutliche Vorstel- 
lung davon gewonnen hat, dass durch den Zeichenunterricht auch die Er- 
werbsfähigkeit gesteigert wird, so begreift es sich, dass Versuche gemacht 
werden, die engen Grenzen, welche dem Lehrgegenstande bisher gezogen 
worden sind, zu erweitern. Auch scheint es, dass man nicht gut gethan 
hat, die Lehrstunden für den Zeichenunterricht, insbesondere in Real- 
schulen, zu verkürzen. Ob es aber wünschenswerth ist, gegenwärtig die 
Richtung des Zeichenunterrichtes zu verschieben zu Gunsten des liguralen 
Zeichnens, ist eine Sache, welche vorn fachmännischen Standpunkt aus 
beurtheilt werden muss. Aber gewiss ist, dass selbst, wenn keine solche 
Verschiebung möglich oder wünschenswerth sein würde, eine Vermehrung 
des Lehrapparates nach dieser Richtung hin nöthig ist. Ob es gerathen 
ist, schon in Mittelschulen den ersten Schritt in das Gebiet der eigent- 
lichen Kunst thun zu lassen, ist eine Frage, welche wohl vom pädagogisch- 
didaktischen Standpunkte aus erörtert werden muss. Aber das möchte 
ich auf das lebhafteste wünschen, dass in jenen Schulen, in welchen sich 
Jünglinge von ausgesprochenem Kunsttalente finden , und an Anstalten, 
an denen Lehrer wirken, welche das figurale Fach vollständig beherrschen, 
den Lehrern die Möglichkeit geboten würde, das Zeichnen nach der Figur 
mit solchen Ausnahmsschülern zu üben, nach Maßgabe des Lehrapparates,
	        

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