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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 188)

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tere Arbeit, als auf dem losen Emailpulver der Alten, - und das Ver- 
schmelzen der Farben, die glücklich die alten imitiren, aber auch in viel 
reicherer Zahl zur Verfügung stehen, das Verschmelzen derselben wird 
in moderner Weise durch einen Ueberzug einer harten, durchsichtigen 
Fayenceglasur bewirkt, die, nach modernen Principien aufgebrannt, das 
Werk weit sicherer gelingen lässt. 
Ginori leistet in der Technik wirklich Meisterhaftes. Die großartige 
Ausstellung Ginori": im Jahre 1878 zu Paris konnte ganz den Eindruck 
einer kostbaren Altmaiolika-Sammlung machen. Jedes Muster, jede beson- 
dere Technik der Alten war da vertreten: die schönen Urbinogefäße mit 
den Grotesken auf weißem Grunde, die Copien nach Orazio Fontana, die 
Gubbioschüsseln mit dem von Ginori zuerst wiedergefundenen Rubinlüster 
des Maestro Giorgio, die hispanisch-maurisehen Lüstergefäße, bis zu der 
plastischen Majolika nach Luca della Robbia. 
Seine technische Ueberlegenheit über die Alten, die ganze Kraftfülle 
der durch die neuere Farbenchemie ganz und gar vervollständigten Pa- 
lette zeigte Ginori an einem Gemälde auf einer großen Amphora, das 
eine getreue Copie des großen und herrlichen Frescobildes Guido Reni's 
im Palaste Rospiglioso in Rom vorstellte. 
Die Preissätze, die Ginori allen seinen Werken gibt, sind freilich 
auch staunenerregend; dass sie möglich, ist ein gutes Zeichen für den 
Kunstsinn unserer Zeit', zugleich auch der Beweis, wie Ginori die Kunst 
zu schätzen weiß - nämlich seine eigene. 
Die echte, einst so stolze Majolika spielt heute eine untergeord- 
nete, eine traurige Rolle, sie ist repräsentirt in dem sogenannten Weiß- 
hafnergeschirr, dem weißen Bauerngeschirr, wie man es am Lande 
so häufig antriift. Schönere, edlere Producte haben sie im Laufe der Zeit 
in der allgemeinen Verwendung verdrängt - zunächst das Porzellan, 
dieses edelste keramische Erzeugniss. , 
Das Porzellan ist in seinen Eigenschaften und Merkmalen so ab- 
geschlossen und deutlich charakterisirt, dass es sich nicht leicht einer 
anderen Thonwaare an die Seite stellen lässt. 
Die schöne weiße und transparente Masse, die vollkommen verglast, 
dicht, absolut undurchlässig ist, die Härte der Glasur, die von der Masse 
nicht sehr verschieden zusammengesetzt, mit derselben im hohen Feuer 
des Porzellanbrandes zu einem Körper verschmolzen erscheint, geben 
dem Porzellan das sonst unerreichte edle Gepräge. 
Bekanntlich ist das Porzellan chinesischen Ursprunges und wurde 
dort schon zu Beginn unserer Zeitrechnung verfertigt. 
In Europa scheint man nähere Kenntniss davon erst durch den be- 
rühmten venetianischen Reisenden Marco Polo erhalten zu haben, der 
1295 aus China zurückgekehrt, unter vielem anderen Fabelhaften auch 
die kühnsten Märchen über das chinesische Porzellan auszubreiten wusste. 
Mit den wachsenden Handelsbeziehungen zwischen Europa und dem Orient
	        

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