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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 188)

Abgesehen vom Farbenreichthum ist von der Palissy-Fayence, was 
die Technik betrifft, kein allzu großer Schritt zur heutigen sogenannten 
E nglischeni Majo lika, richtiger Emailfayence, den buntfärbig emaillirten 
Fayencen, wie sie namentlich das colossale Etablissement von Minton 
in Stoke upon Trent in Massen in die Welt speit. Oft in den größten 
Dimensionen ausgeführt, zeigen diese Fayencen in ihrem bunten Email- 
kleide einen Reichthum an Farben, wie ihn eben nur die Neuzeit zu 
schaffen weiß. Die Emaile sind meist halbopak, also nicht übermäßig 
zinnhältig, dabei ausserordentlich hart, glänzend, diese Eigenschaften dem 
Gehalte an Borsäure, dem Charakteristiken der modernen Fayence 
verdankend. 
DieZinnemail-Fayencen abschließend, möchte ich hier ein modern 
französisches Product anreihen, das nun allgemein Eingang ündet. 
Es ist das sogenannte Päte-Ernail. Die Anwendung der dicken, opaken 
Zinnemaile zur Ausführung von Fayencedecorationen nach Art des Email 
cloisonne der Orientalen. 
Zuerst von Parville und Collinut auf die moderne Fayence über- 
tragen, hat diese Specialität bald große Beliebtheit erlangt. 
Die Zeichnung wird mosaikartig angelegt, doch hat man hier, weil 
mit dem Pinsel zu arbeiten, weit größeren Spielraum. Die Farbfelder 
sind getrennt durch schwarze Contouren, mit einer im Feuer matt bleibenden 
Farbe ausgeflihrth Die in die Felder gelegten Emaile werden durch die 
Contour gehindert im Brande in einander zu fließen, thun dies, wenn 
sie stark zinnhältig, also zähe präparirt sind, auch in ziemlich dicker 
Lage nicht, so dass damit Decorationen von großer Nettigkeit erzielt 
werden. Weil in schwächerem Feuer aufzubrennen, kann dieser Decor 
leicht auf großen Objecten, namentlich Platten ausgeführt werden. 
In Frankreich erfreuen sich die Collinofschen Päte-Emailplatten 
allgemeiner Verwendung und gewiss muss auch Jedermann Gefallen finden 
an diesen schönen Wandverkleidungen, Pilasterflillungen u. s. w., wie sie 
in den Pariser ölfentlichen Localen, Restaurationen, Cafefs so vielfach zu 
sehen sind, 
Nun sind wir aber in der genetischen Entwickelung der Keramik 
von der Maiolika durch die Emailfayence tief in die Gegenwart gerathen. 
Mit der Majolika haben wir eigentlich zwei Stufen der Entwickelung 
der Töpferei genommen. Die Anwendung des Blei's, resp. Bleioxydes 
zur Glasur und dann die Verwendung des Zinnoxydes, um die Glasur 
weiß, undurchsichtig, zum Email zu machen. 
Das Blei ist die Basis für die große Mehrzahl unserer Glasuren. 
Wann es zum ersten Male in Verwendung gekommen, lässt sich nicht 
genau constatiren. Sicher ist, dass in ltalien die Erzeugung durchsichtiger 
Glasuren damit erst im eilften Jahrhundert bekannt war. 
 
Fbrtselqung auf der Beilage.
	        

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