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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 188)

Es kann nicht unsere Aufgabe sein, sozusagen unsere eigene Aus- 
stellung im eigenen Hause eingehend kritisch mit Lob oder Tadel zu 
besprechen. Darum genüge der Hinweis, dass in sämmtlichen Abtheilun- 
gen, welche bereits durch längere Zeit derselben Lehrkraft unterstehen, 
ein gewisser stetiger Zug nach Verbesserung und Vollendung hervortritt. 
Was wir damit meinen und stets mehr angestrebt wünschen, das ist die 
programmäßige Orientirung, das möglichste Festhalten an dem Charakter 
der Anstalt als Kunstgewerbeschule. Selbstverständlich werden die Ar- 
beiten an unseren Fachschulen für Zeichnen und Malen, an dem Cursus 
für Zeichenlehrer und auch an der Fachschule für Bildhauerei sich mit 
den gleichen Abtheilungen an der Akademie der bildenden Künste theil- 
weise berühren, ja parallel laufen müssen, so im Porträt, Stillleben und 
Blumenstück u. dgl. Gleichwohl glauben wir aus der heurigen Ausstellung 
- und das erscheint uns besonders werthvoll - eine zunehmende Fühlung 
der Schule mit der praktischen Uebung in der Kunstindustrie und mit 
dem Handel entnehmen zndürfen. Man konnte eine Reihe von ausge- 
stellten Obiecten bereits als verkauft bezeichnet sehen, eine nicht gerin- 
gere Zahl reizender Modelle für kleinere plastische Arbeiten von Bronze- 
fabrikanten, Möbelzeichnungen von Tischlern, Ofenentwürfc von Töpfern 
bestellt, ferner eine große Zahl von Glasgefäßen nach Zeichnungen aus 
der Architekturschule des Regierungsrathes Professor Storck, durch die 
Fabrik Reich 81 Comp. bereits ausgeführt. Noch weniger ist es zu 
unterschätzen, dass einige ältere Schüler aus der Fachschule von Director 
Laufberger die Ausschmückung eines Vergnügungslocales in Karlsbad 
übernehmen konnten, und zwei der fertig gestellten großen Wandgemälde 
bewiesen, dass die Arbeiten der Schule Ehre machen werden. Um aber 
solchen Aufgaben gewachsen zu sein, müssen die Kräfte der Schüler ge- 
hörig geübt werden. Die Vorbereitungsschule unter Minnigerode, l-lracho- 
wina und für die Plastik unter Kühne leistet vollauf das ihrige und was 
zu vollenden ist in getreuer Wiedergabe von Originalen, das wird über- 
dies in dem Curse für Stillehre und in den einzelnen Fachschulen nach- 
getragen. Die Copien nach Möbeln, Wandverkleidungen, Eisenarbeiten, 
Textilmustern, Gobelins, Wanddecorationen etc. in den verschiedenen 
Fachschulen gehören unstreitig zum besten, was man in dieser Richtung 
sehen kann. Mit besonderem Vergnügen begrüßten wir jedoch auf der 
diesmaligen Ausstellung die große Anzahl von Compositionsaufgaben aus 
verschiedenen Fächern, als deren Resultate z. B. Schülerzeichnungen für 
Buchdeckel, Glasfenster, Wandverkleidungen, Cassetten, Panneaux, Tapeten, 
Jardinieren u. dgl. manch' vielversprechendes Talent offenbarten. Dahin 
geht unserer Ansicht nach die Hauptaufgabe der Fachschulen, die Zög- 
linge zu künstlerischer Selbständigkeit und Selbstthätigkeit zu erziehen. 
Ein anderer Punkt entzieht sich allerdings dem directen Einflüsse 
der Schule: nämlich die praktische Ausbildung der Schüler in den ein- 
zelnen lndustriefächern, denen sie sich später vorzugsweise widmen wollen.
	        

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