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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 190)

virt, dass der weiße Grund wieder zum Vorschein gekommen ist und dann 
wieder mit anderen Farben bedeckt werden konnte. Es entsteht also eine 
Art Mosaik, welche den Vortheil hat, dass der Decor nicht erhaben auf 
dem farbigen Grunde liegt, der letztere nicht durch dicken Auftrag der 
lichteren Farben gedeckt zu werden braucht, auch durchscheinende Farben 
verwendet werden können. Ferner sind einige Stücke mit vielfarbiger 
Malerei unter der bleifreien Glasur ausgestellt, welche das höchste Inter- 
esse der Techniker erregen und auch das Publicum insofern interessiren 
werden, als dies ja aus Erfahrung weiß, dass die Malerei über der Glasur 
an Gebrauchsgegenständen keine lange Dauer hat. 
Von der bekannten Terracottenfabrik Ipsens Enkel (d. i. lpsens" Witwe) 
in Kopenhagen linden wir Erzeugnisse in großer Zahl und jedes Umfangs, 
von der mächtigen Prachtvase zu 500 fl. bis zu winzigen, nippesartigen 
Geschirren. Die Art brauchen wir nicht zu schildern; die ganze Fabrica- 
tion beruht auf der Imitation antiker Terracotten. Aber auch hier haben 
wir eine erfreuliche Neuerung zu constatiren. Bevorzugte man ehemals die 
antikisirenden Compositionen Thorwaldsen's, Flaxman's u. A., gerieth man 
später auf den Irrweg, Gefäße von griechischer Form und mit einem 
schwarzen Firniss nach (äußerlich) griechischer Art überzogen, mit natura- 
listischen bunten Blumen zu bemalen, so sind jetzt vielfach die antiken 
Gefäße wirklich copirt worden, wobei namentlich Lau's Publication aus 
der Münchener Vasensammlung gute Dienste geleistet zu haben scheint. 
Das hat nicht allein den Vortheil, vor Missgriffen und Stilvermischungen 
zu bewahren, sondern die treuen Nachbildungen von berühmten Gefäßen, 
die doch nur einmal vorhanden sind (wie z. B. die korinthische Bndwell- 
Vase in München) werden auch von Sammlungen und Liebhabern gern 
erworben werden. _ 
Die Herkunft der von Händlern ausgestellten Fayencen lässt sich 
nicht immer nachweisen. Wir bemerken Fabricate von Villeroy 8c Boch 
in Mettlach, der altberühmten Firma, welche ihrem etwas kühlen Genre 
neuerdings mit gutem Erfolge farbiges Leben gibt; von Keller-Leuzinger 
in Heimberg in der Schweiz, Glatz in Villingen im Schwarzwalde und Bich- 
weiler in Hamburg, in welchen sich drei selbständige Richtungen der von 
Keller-Leuzinger vor fünf bis sechs Jahren aufgebrachten Methode kräftig- 
farbiger Decoration vorstellen; von Quaas in Aussig, welcher einen ähn- 
lichen Weg einschlägt; von der Fachschule und den Fabrikanten Steidl 
und Sitko in Znaim, wo man gegenwärtig die blaue Decoration in Delfter 
Art gänzlich aufzugeben und vorwiegend die farbigen Glasuren mit und 
ohne Gravirung zu cultiviren scheint - der Versuch, die eingeschnittene 
Zeichnung nachträglich zu coloriren, kann vorderhand nicht als geglückt 
angesehen werden, weil eine hüssige Farbe angewendet wurde, welche 
bald den ihr zugedachten Raum nicht ausfüllt, bald über die Contouren 
hinaustritt; doch ist das Genre überhaupt gewiss der Pflege werth; von 
Gebrüder Schütz in Wien, Gerbing ä Stefan in Bodenbach, Eichler in Dux,
	        

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