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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 190)

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beiden Fällen stoffliche Veränderungen auftreten. Oder ein anderes Beispiel: 
Verwandeln wir das Bleiweiß durch Zerreiben in ein sehr feines Pulver, 
so haben wir nur den Zustand des Farbstoffes verändert. Mengen wir zu 
demselben Leinöl, wodurch wir die Malerfarbe erhalten, so wird die Farbe 
des Farbstoffes feuriger, tiefer; doch auch hier ist im Anfange nur eine 
Zustandsänderung des Oeles und des Bleiweißes eingetreten. Nach einiger 
Zeit wird aber diese Oelfarbe fest, wenn sie an der Luft liegen bleibt, 
und wir haben in diesem Körper kein Gemenge mehr von Oel und Blei- 
weiß, diese Stoffe haben gegenseitig gewisse Bestandtheile ausgetauscht 
und es ist somit eine stoifliche Veränderung derselben vor sich gegangen. 
Auch der Schwefelwasserstoff der Luft oder andere diesem Gase sich 
ähnlich verhaltende Hüssige oder feste Körper, bewirken in Berührung 
mit diesem Farbstoffe eine stoffliche Veränderung, die sich durch das 
Braunwerden der Oelfarbe kundgibt. Die braune Färbung kann jedoch 
wieder beseitigt werden, indem das entstandene braune Schwefelblei mit 
einem andern Körper, mit dem sogenannten Wasserstoßhyperoxyd in 
Wechselwirkung gebracht wird. Auf Grund einer neuerlichen stoßlichen 
Veränderung erhalten wir wieder einen weißen Körper, das sogenannte 
schwefelsaure Blei. Man nennt die Zustandsänderungen der Körper auch 
physikalische Veränderungen, die stoiTlichen Veränderungen derselben da- 
gegen chemische Veränderungen. 
Das Studium der chemischen Veränderungen des Stoffes ist aber 
Gegenstand und Zweck der Chemie und deren Beziehung zur bildenden 
Kunst wird dadurch bedingt, dass das technische Material des Künstlers 
in den meisten Fällen durch chemische Veränderungen des StoHes ent- 
standen ist und sowol während, als auch nach seiner Anwendung solchen 
ausgesetzt ist. Betrachten wir zu diesem Zwecke speciell das technische 
Material des Malers, so ist es nicht schwer die auftretenden chemischen 
Veränderungen nachzuweisen. Die Utensilien des Malers sind zunächst 
Stoffe, welche der Maler bemalt, dann StotTe, mit welchen er malt, und 
schließlich solche, die das Malen vermitteln. Man theilt diese StolTe, sowol 
die natürlich vorkommenden, als auch die künstlich dargestellten, in ein- 
fache und zusammengesetzte ein. Einfache, unzerlegbare Körper auch 
Grundstoffe oder chemische Elemente sind solche, welche durch Ein- 
wirkung aller uns bekannten Formen der Kraft nur in gleichartige Theil- 
producte zertheilt werden können, während zusammengesetzte Körper 
hiebei verschiedenartige Substanzen liefern. Der Maler benützt nur wenige 
Grundstoffe, worunter das Kupfer, das Gold, das Silber und der mehr 
oder weniger reine amorphe Kohlenstoff die wichtigsten sind. Die anderen 
sind zusammengesetzte Körper oder Gemenge von diesen. Die Gegenstände, 
auf welchen gemalt wird, sind ie nach der Malart aus Holz, Papier, Pappe, 
Leinwand, Taffet, Pergament, Bein, Stein, Glas, Porzellan, Email, Metall. 
Fortsequng auf der Beilage.
	        

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