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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 190)

Oel und Bleiweiß hellgelber und, rother Ocker zugesetzt, je nachdem man 
eine perlgraue, röthlichgraue oder gelbroth gefärbte Grundirung erzielen 
will; auch Honig und Wachs werden nicht selten beigegeben, um der 
Leinwand eine größere Geschmeidigkeit zu ertheilen. Eine andere Art 
der Grundirung ist die Kreidegrundirung, auch Stärke-, Kleister-, Mehl- 
grundirung genannt. Auch bei dieser wird die Leinwand mit Leimwasser 
behandelt und nach dem Trocknen mit Bimsstein abgerieben, nachher 
jedoch mit einem Gemenge VOn Kleister, der aus Mehl oder Stärke dar- 
gestellt wurde, mit Thonerde, selten mit Gyps und mit hellgelbem oder 
hellrothem Ocker überstrichen. Um auf Ziegel- oder Steinwandungen Ge- 
mälde auszuführen, bringt man einen Mörtelgrund an, welcher durch 
innige Mengung von gelöschtem Kalk mit feinem Sand bereitet oder über- 
dies, wenn derselbe an der Luft fest geworden ist, noch mit Wasserglas 
imprägnirt wird. Von den Farbstoffen: kennt man eine große Anzahl; sie 
beträgt über x50. Man theilt sie ein in weiße, gelbe, rothe, grüne, blaue, 
braune und schwarze. Auch diese sind meist Kunstproducte. So kann man 
z. B. ein Weiß erhalten, eine Art Antimonweiß, indem man Chlorantimon 
mit Wasser mengt; ein Gelb, das sogenannte Chromgelb, indem man neu- 
trales chromsaures Kalium mit salpetersaurem Blei in Wechselwirkung 
bringt; ein Roth, den sogenannten Antimonzinnober, indem man Brech- 
weinstein und unterschwefligsaures Natrium in ihren wässerigen Lösungen 
mengt, mit Salzsäure versetzt und das Gemenge auf eine Temperatur 
von etwa 80" C. bringt; ein Blau, das Berlinerblau, indem man die Lösung 
des rothen Blutlaugensalzes mit einer Lösung von Eisenvitriol fällt; ein 
Grün, indem man das gelöste Gemenge von Arsenik und Soda in Wasser 
mit einer Lösung von Kupfervitriol versetzt; ein Braun, durch Fällen einer 
Lösung von schwefelsaurem Mangan mit Kalilauge, wobei der anfangs 
weiße Niederschlag an der Luft durch Oxydation des Manganhydroxyduls 
zu Manganoxyd, braun wird; ein Schwarz, durch das Russenlassen einer 
Flamme und das Ansammeln der sich abscheidenden feinvertheilten Kohle 
auf einem kalt gehaltenen Gegenstande. Auch bei der Darstellung der 
Bindemittel treten chemische Vorgänge in hervorragender Weise auf. Die 
wichtigsten sogenannten fetten, trocknenden Oele, als Lein-, Mohn- und 
Nussöl, welche durch Auspressen der betreffenden Samen erhalten werden, 
unterliegen in den meisten Fällen der Reinigung und der Bleiche. Der 
Leim wird durch Auskochen der leimgebenden Substanzen erhalten, 
woselbst er sich durch Einwirkung des Wassers bildet. Das Kalkwasser 
erhält man durch Filtration des in Wasser gelöschten, gebrannten Kalkes. 
Das Wasserglas gewinnt man durch Schmelzen von Quarz mit Soda oder 
Pottasche und Auslaugen der Schmelze mit Wasser. Die Trockenmittel 
sind fast ohne Unterschied chemische Präparate. Das Siccativ de Courtrais 
erhält man z. B. durch Kochen von trocknenden Oelen mit Mennige und 
Braunstein zu einer Art Pflaster und Lösung desselben in Terpentinöl; 
das Siccativ de Harlem enthält überdies noch Harze; die Malbutter und
	        

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