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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 191)

Kannetjesu (nach Jacobäa von Holland 1401-1436) genannten schmalen, 
gelbgrauen Krüge. Ein bereits viel vollknmmeneres, aber doch den Typus, 
namentlich an dem gewellten Fuße und dem hochangesetzten Henkel, ver- 
tretendes Exemplar ist der dem Grafen Wilczek gehörige eiförmige Krug 
Nr. 203, ohne Zweifel das älteste Stück des ganzen Zweiges in der Aus- 
Stellung. 
In Deutschland nannte man bis vor Kurzem alles rheinische Stein- 
zeug nkölnischu, im Auslande wgres cerame de Flandreu; in beiden Fällen 
scheint, wie so häufig, die Heimat der Händler, von welchen man die 
Waare empfing, auf diese selbst übertragen worden zu sein. Denn weder 
in Cöln noch in Flandern sind dergleichen Krüge fabricirt worden. Viel- 
mehr hat durch das Auffinden von verschütteten Oefen, Scherbenlagern, 
Vergleichung von lnschriften und Ermittlung von Hafnerfamilien, welche 
sich theilweise bis auf unsere Tage erhalten haben, mehrere Dörfer, wie 
Frechen im Kreise Cöln, Raeren im Regierungsbezirk Aachen, ferner in den 
Aemtern Selters und Montabaur (dem sogenannten Kannenbäckerländchen) 
_ im Nassauischen und in der Stadt Siegburg die Existenz einer umfang- 
reichen und zu Zeiten hochentwickelten Industrie festgestellt werden können. 
Auf jene Ortschaften vertheilt man nun nach dem Vorgange des vor wenigen 
Jahren gestorbenen Cölner Caplans, Dr. Dornbusch, die vorhandenen Stein- 
zeugarbeiten, wobei natürlich nicht ausgeschlossen ist, dass neuere Funde, 
sei es am Rhein, an der Donau oder in anderen Gegenden, zu einer Re- 
vision des Systems nöthigen können. Die Sonderung wird übrigens stets 
ihre besonderen Schwierigkeiten dadurch behalten, dass dieselben Formen- 
schneider für verschiedene Orte arbeiteten, gelegentlich auch die eine Fabrik 
die Waare einer anderen nachformte. Von großem Interesse ist die Beob- 
achtung, wie aus den ursprünglichen plumpen Krügen sich Gefäße ent- 
wickelt haben, welche dem Formensinn der Künstler das glänzendste Zeug- 
niss geben, Gefäße, in ihrer Art so vollkommen, wie die "Vasena des 
Alterthums, und in späterer Zeit nur erreicht von den besten Schöpfungen 
der Delfter Steingutiabrication. Die Eiform des Körpers wird gern bei- 
behalten, aber die Rundung in der Mitte unterbrochen durch Rundstäbe 
und Kehlnngen oder von solchen begrenzte Friese mit figuralen oder orna- 
mentalen Compositionen, Wappen u. dgl. m.; der Körper steht auf einem 
viel niedrigeren Fuße und der größere Henkel vermittelt in schön ge- 
schwungener Linie zwischen Ausguss und Schulter. Andererseits veredelt 
sich das Jakobas-Kannetjes zu der konischen schlanken nSchnelleu oder 
dem breiteren, cylindrischen oder konischen Kruge. Der Darstellungskreis, 
für die einzelnen Innungen wol ziemlich eng begrenzt, gestaltet sich im 
Ganzen recht mannigfaltig. Tanzende Bauern nach Hans Sebald, Beham 
oder Aldegrever, meist mit Versen, welche den Spielmann auffordern, 
"tapfer-i zu blasen, v-dann tanzen die Bauern, als wären sie rasenu, und 
auch der Pastor vermisst sich, vKappe und Kor zu vertanzenu; andere 
Scenen aus dem Volksleben mit Sprüchen; einzelne biblische Geschichten,
	        

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