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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 191)

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wie die von Tobias, Loth, von der keuschen Susanna; seltener Stoffe aus 
den Evangelien; Kurfürstenbilder unter Bogenstellungen; Bilder anderer 
fürstlichen Personen; Wappen; Planeten; Landsknechte u. A. m. Die 
Legende ist in niederdeutscher Sprache, häufig fehlerhaft, weil die des 
Lesens unkundigen Arbeiter die Schrift mit einzelnen Hohltypen auf- 
druckten. 
Am frühesten scheint die Kunsttöpferei in Frechen geblüht zu haben. 
Der dortige Thon ist eisenhaltig, färbte sich daher im Brande braun. Von 
daher stammen die kugeligen Krüge mit aufgelegten], oft noch gothisiren- 
dem Laubwerk und mit bärtigen Masken am Ausguss (Bartkrüge oder 
Bartmännchen; Nr. 590, 58g, 588, 587, sämmtlich Herrn v. Lanna in 
Prag gehörig; Nr. 213, Graf Wilczek); es finden sich aber auch solche 
mit antikisirenden Köpfen und Figuren, deren Anwendung ebenso wie 
die Krugform auf die in dortiger Gegend häufigen römischen Grabfunde 
zurückgeführt wird (Nr. zzr, Graf Wilczek); noch andere haben drei oder 
mehr aufgeprägte Medaillons am Bauche (Nr. 431, Graf Mannsfeld; 2x0, 
212, Graf Wilczek; 524., 525, Ritter v. Lanna). 
Braun sind auch zahlreiche Raerener Krüge, aber deren Masse ist 
dunkler als die Frechener, andere haben graue Grundfarbe mit blauer, 
manchmal auch braun-violetter Bemalung. Aus Raeren stammen vorzugs- 
weise jene schönen Krüge mit eiförmigem Körper, von welchen oben die 
Rede war, doch auch Schnellen mit brauner Glasur und einem Bilde in 
ovaler oder rautenförmiger Umrahmung. Die Ausstellung enthält von 
solchen braunen Gefäßen ungemein interessante Exemplare aus den Samm- 
lungen der Herren v. Lanna (z. B. Nr. 578, ein Exemplar des für die 
Geschichte der Keramik wichtigen Kruges mit der Geschichte der Susanna 
und dem Namen des Hafners oder Formschneiders Engel Kran 1584, der 
ungewöhnlich große gedrückte Krug Nr. 603, mehrere mit der Marke 
des Jan Emons in Raeren), Graf Lichnowsky (u. A. Nr. 799, Wappenkrug 
mit der Inschrift: De pesser en die kan hat mich gemacht zu einen ermen 
man u. s. w. 1596), Fürst Kinsky, Baron Liebig u. A. 
Ein feuriges Braun, glänzende Glasur und aufgelegte Ornamente von 
lichterer Färbung sind Fabricaten aus dem sächsischen Voigtlande und 
dem benachbarten Egerlande eigenthümlich; solcherart präsentirt sich 
namentlich der specifisch sächsische Weinkrug, bauchig, mit Ausgussrohr, 
welches besonderen Zinnverschluss hat (Nr. I8, Fürst Kinsky; Nr. 47, 
Herr Weitmann). Der auf einem Henkelkruge des Herrn v. Lanna (Nr. 600) 
genannte Töpfer Glier dürfte mit der Nürnberger Familie Glüer zusam- 
menhängen, während die Ziergefäße mit mehreren (bis zwölf) kleinen 
Henkeln, in welchen Ringe hängen und von stumpfem Dunkelbraun 
(Nr. 596, 507) vielleicht außerdeutsches Fabricat sind. 
In den schmutziggrauen, theilweise blau, auch braun bemalten Krügen 
besteht die eigentliche Specialität des nassauischen Fabricationsbezirks, 
dessen Mittelpunkt ehedem, wie noch heute, Grenzhausen in der Nähe von
	        

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