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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 191)

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seinem Schulgenossen, Ciseleur Meyer, welcher gegenwärtig in Stuttgart 
als Lehrer im Ciseliren an der dortigen Kunstgewerbeschule wirkt, er- 
öffnete er ein selbständiges Atelier. Bei dem Aufschwunge, welchen die 
Bronze-Industrie in Wien genommen hat, stellte sich in der Kunstgewerbe- 
schule das Bedürfniss heraus, ein Atelier für Ciseliren zur Heranbildung 
von Ciseleurs zu gründen. Die Leitung dieser Schulabtheilung wurde irn 
Jahre 1874 Schwarlz provisorisch übergeben. Derselbe bewährte bei den 
großen Festmedaillen, dem Prunkschrank für das Kronprinzenpaar und 
ähnlichen Anlässen seine Meisterschaft in der Kunst des Ciselirens und 
des Treibens. In enger künstlerischer Wechselbeziehung mit dem Medail- 
leur Scharff, dem Bildhauer Tilgner und anderen Künstlern ist seine Schule 
der Mittelpunkt für alle jungen, strebenden Kräfte auf metallurgischem 
Gebiete geworden. Die gute Schule, aus der er hervorgegangen ist, wie 
seinen pädagogischen Tact bewährt er auch an der gewerblichen Fach- 
schule für Gold-, Silber- und Juwelenarbeiter und Graveure in Wien. Mit 
König, Hanusch und Waschmann ist er ein eifrig thätiges Mitglied der 
jungen Wiener Gesellschaft für Bronze- und Eisen-Kunstindustrie. 
Aus der Schule Otto König's ist auch Hermann Klotz hervor- 
gegangen. Er vertritt das Fach der Holzschnitzerei auf ornamentalem und 
figuralem Gebiet. Von seiner Heimat Tirol brachte er das Geschick und 
die Kunstfertigkeit des Holzschnitzens in die Schule mit. Es ist für die 
Entwicklung der Kunstgewerbe in Wien von großem Belange, dass ein 
Bildhauer im Holzschnitzfache wirkt, der die gute, alttirolische Technik 
des Holzschneidens beherrscht, nämlich jene Behandlung der Körper nach 
Flächen, welche das ganze Mittelalter hindurch in Uebung war, die Dürer 
in seinem Proportionswerke entwickelt hat, die aber bei manchen modernen 
Holzschnitzern außer Uebung gekommen ist. Bei der letzten Schulaus- 
stellung hat Herr Klotz den Lehrgang anschaulich vorgeführt, der gegen- 
wärtig auch bei allen österreichischen Fachschulen vorgezeichnet ist. Da 
der Holzbildhauer in der Regel gegenüber dem Bildhauer und dem Archi- 
tecten bescheiden in den Hintergrund tritt, so wird sein Name seltener 
genannt. Aber da die figurale Holzschnitztechnik zu jenen Künsten ge- 
hört, deren Belebung sozusagen vor der Thiire steht, so werden bald die 
Anlässe kommen, wobei eine Kraft wie Klotz hochwillkornmeu- sein wird. 
C. L A. Kühne, der gegenwärtig in der Vorbereitungsschule der 
Kunstgewerbeschule des Oesterr. Museums als wirklicher Lehrer im orna- 
mentalen und figuralen Modelliren wirkt, ist geboren 1845 in Königslutter 
in Braunschweig. Nach vollendetem 14. Jahre trat er aus der Volksschule 
als Lehrling in die Werkstätte des Silberarbeiters Jürgens in Wolfenbüttel 
und lernte sodann die Elemente des Modellirens im Atelier des Professors 
Howald in Braunschweig. Auf Howald's Anrathen begab er sich im Jahre 
1865 nach Dresden in die Ateliers von Professor Hähnel und Hauptmann. 
Nach fünf Jahren verließ er Dresden, um nach Wien in die Specialschule 
des Professors Otto König in der Kunstgewerbeschule einzutreten. Durch
	        

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